Herr Hilsen, haben Sie sich beim Containern schon mal den Magen verdorben?Nein. Mein Bauch grummelt nicht öfter, als zu Zeiten, in denen ich einkaufen gegangen bin.

Wie isst es sich denn aus dem Müll?

Sehr gut. Es ist auch nur etwa die Hälfte von dem, was ich mitnehme, tatsächlich abgelaufen, meistens auch nur ganz knapp. Alles andere hat noch ein gültiges Mindesthaltbarkeitsdatum, manchmal noch bis zu vier Wochen lang.

Und warum finden Sie das dann trotzdem in den Müllcontainern?

Da denke ich viel drüber nach, genau weiß ich es aber auch nicht. Manchmal wechseln die Supermärkte vielleicht ihre Lieferanten und schmeißen dann die Waren der vorherigen Partner weg. Oder es sind die Lebensmittel, die in großen Mengen angeboten werden, Apfelsinen etwa werden oft in Netzen verkauft. Dann ist vielleicht eine schimmelig und das ganze Netz kann nicht mehr verkauft werden, die anderen zehn darin sind aber noch gut. Aber selbst wenn das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist: Nur die allerwenigsten Sachen sind dann nicht mehr brauchbar.

Woran erkennen Sie das?

Fühlen, riechen, schmecken. Ich schaue nicht so sehr auf das Haltbarkeitsdatum. Marmelade zum Beispiel ist durch den vielen Zucker dazu gemacht, lange haltbar zu sein, auch ohne Kühlung. Selbst wenn ein Glas abgelaufen ist, ist es noch Monate genießbar. Süßigkeiten haben manchmal vielleicht nicht mehr den absolut schicken Geschmack, essen kann man die trotzdem. Auch leichter Verderbliches wie Mayonnaise oder Joghurt kann man meist ohne Bedenken mitnehmen, außer vielleicht im Sommer, wenn es heiß ist und die Müllcontainer zu wahren Brutkästen werden.

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Welche Mülltonnen können Sie empfehlen?

Die besten Sachen finde ich bei den teureren Supermärkten, die Discounter schmeißen dafür meist die größeren Mengen weg.

Und was ist mit den kleinen Läden? Dem Bäcker an der Ecke zum Beispiel?

Denen tut es oft sehr leid, so viel wegzuschmeißen, sie haben ein richtig schlechtes Gewissen. Und deshalb packen sie mir Körbe mit Brot und Croissants, die ich abends abholen kommen kann.

Warum containern Sie?

Das Containern ist auch eine Anklage gegen die Wegwerfgesellschaft, gegen die Massen- und Überproduktion von Lebensmitteln. Es ist immer genug da für die Bedürfnisse der Menschen, aber nie genug für die Gier der Menschen. Ich glaube, das hat Gandhi einmal gesagt und so ist es. Lebensmittel wegzuschmeißen, weil das aus betriebswirtschaftlichen Gründen für ein Unternehmen sinnvoll ist, das ist schlichtweg unethisch.

Sie klingen, als mache Sie das wütend...

Ja, sehr! Warenflüsse könnten so organisiert werden, dass die Lebensmittel nicht im Müll landen, sondern bei Menschen, die sie brauchen, aber nicht genug Geld haben, sie zu kaufen.

Ist das auch eine Kritik an den Verbrauchern? Natürlich. Man kann auch als Verbraucher Dinge ändern, in kleineren Läden kaufen zum Beispiel, wo es die Apfelsinen auch einzeln gibt, und dann nur so viele mitnehmen, wie man auch tatsächlich isst. Oder einfach mal weniger einkaufen und dann eben damit leben, eventuell nicht den Traumjoghurt immer im Kühlschrank zu haben, wenn man gerade Lust darauf hat. Sich zu mäßigen, das ist wichtig.

Das Gespräch führte Anne Lena Mösken