Leipzig - Eine lange Menschenschlange bildet sich vor der Leipziger Kita „Tillj“. Diese ist zwar noch im Bau - doch der Andrang bereits enorm. Am Samstagmorgen stehen die jungen Eltern - viele mit Kindern an der Hand - geduldig an, um den Antrag für einen der begehrten Plätze zu stellen. Schnell verbreiten sich Fotos im Internet von der langen Warteschlange. Teils müssen Polizisten einschreiten, damit die Wartenden samt Buggy den Verkehr nicht lahm legen. Trotz des Gedränges sei die Situation aber friedlich und entspannt geblieben, so die Polizei.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Julia Schütze von der Johanniter-Unfall-Hilfe, die Träger der geplanten Kreativkindertagesstätte ist. Fünf Einrichtungen betreiben die Johanniter in Leipzig und Umgebung bereits, die neue für 45 Krippenkinder und 120 Kindergartenkinder soll im August öffnen.

Wegen steigender Geburtenzahlen und zahlreicher Zuzüge haben es Eltern in Leipzig nicht leicht

Wegen steigender Geburtenzahlen und zahlreicher Zuzüge haben es Eltern in Leipzig nicht leicht, für ihren Sprössling einen Kita-Platz zu bekommen. Zum Jahresende 2016 hatten knapp 580.000 Menschen dort ihren Hauptwohnsitz, etwa 11.800 mehr als ein Jahr davor, wie das Statistische Amt der Stadt mitteilte. Die Zahl der Geburten stieg in dem Zeitraum von gut 6.600 auf knapp 6.900. Das war die höchste Zahl seit 1990.

Auch deshalb muss die Stadt ihre Kita-Planungen ständig nach oben schrauben. So erhöhte sich der Bedarf in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege im Schuljahr 2016/2017 im Vergleich zu 2015/2016 um 4.332 Plätze. „Um dem entsprechen zu können, setzt die Stadt Leipzig weiterhin ein umfangreiches Kita-Bauprogramm um“, sagt Bürgermeister Thomas Fabian.

Mütter aus Leipzig waren 2016 sogar bis vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe gezogen

Das betreffe sowohl die Erweiterung bestehender Einrichtungen als auch den Neubau von Kitas. Allein in diesem Jahr sollen so knapp 950 Plätze geschaffen werden. Trotzdem bleibt die Kinderbetreuung weiterhin ein Problem für die Stadt.

Mütter aus Leipzig waren 2016 sogar bis vor den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe gezogen, weil sie einen Betreuungsplatz für ihre Kinder nicht rechtzeitig bekommen hatten und deshalb erst später arbeiten gehen konnten. Der BGH entschied, dass die Eltern Anspruch auf Schadenersatz haben. Die Kommune müsse aber nur dann zahlen, wenn sie den Mängel mitverschuldet habe, so die Richter. Ob das in Leipzig der Fall war, muss nun das Oberverwaltungsgericht in Dresden klären.

In der Einrichtung „Tillj“ können Eltern nun am kommenden Samstag noch einmal ihre Anträge abgeben. „Dann wird es wohl einen ähnlichen Andrang geben wie heute“, vermutet Schütze von der Johanniter-Unfall-Hilfe. (dpa)