Kinder meckern über ihre Lehrer. Das war schon immer so. Manchmal ist das ungerecht, aber oft trifft es ins Schwarze. Tatsächlich kommt es vor, dass Lehrer willkürlich Noten verteilen, gedankenlos Berge von Hausaufgaben aufgeben, für Schüler nicht ansprechbar sind oder an der Tafel endlos und unverständlich monologisieren.

Viele Ärgernisse an der Schule erklären sich aus der unzureichenden Vorbereitung künftiger Lehrer auf ihre eigentlichen Aufgaben: den Unterricht und den Umgang mit Kindern. Hier setzt eine Idee der Bundesbildungsministerin Annette Schavan an. Sie schlägt den Bundesländern eine Exzellenzinitiative zur Lehrerbildung vor, einen Wettbewerb um die besten Konzepte praxisnaher Ausbildung.

Man möchte fast stöhnen: Nicht schon wieder ein Elite-Wettbewerb! Nicht schon wieder eine Schavan-Kampagne! Doch in diesem Fall ist ein Wettbewerb aus mehreren Gründen zu begrüßen. Zunächst lenkt er den Blick auf Entscheidendes. In den Bildungsdebatten seit der Pisa-Studie ging es nämlich vor allem um strukturelle Dinge, um mehr Geld für Ganztagsschulen oder die Abschaffung der Hauptschule. Doch eine Frage kam zu kurz: Was ist ein guter Lehrer, und wie wird man einer? Was können Politik und Hochschulen tun, um bessere Lehrer hervorzubringen?

Die Misere, in der sich Schulen und viele Lehrer selbst seit Jahren befinden, hat viel mit beruflichen Defiziten zu tun. Sechzig Prozent aller Lehrer sind akut gefährdet. Sie neigen dazu, sich zu überfordern, auszubrennen, zu resignieren. Das ergab vor einiger Zeit eine Potsdamer Lehrerstudie. Wie aber sollen derart fehlbelastete Menschen einen lebensnahen, motivierenden Unterricht machen?

Schon frühzeitig müssten Lehrerstudenten in Trainingskursen Methoden lernen, mit den Herausforderungen des Schulalltags besser fertig zu werden – auch im Umgang mit nervösen, aggressiven, durch Computerdauereinsatz übermüdeten Kindern. Solch ein psychologisch-methodisches Training fordern Forscher seit Jahren. Doch so etwas gibt es bisher nur vereinzelt. Der von Schavan angeregte Wettbewerb könnte solche Modelle befördern.

Vor allem aber könnte er bundesweit voranbringen, was immer wieder gefordert wird: eine didaktische, praxisnahe Ausbildung. Hier hat sich zwar in den vergangenen Jahren einiges bewegt, aber jedes Bundesland reformiert seine Lehrerbildung für sich allein. Selbst wenn einzelne sich abstimmen, gehen sie in unterschiedlichem Tempo. Einige Länder zögern, andere sind weit voraus, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen. Das Land hat ein fünfmonatiges Praxissemester eingeführt, in dem Lehrerstudenten rechtzeitig erfahren sollen, was es heißt, vor einer Klasse zu stehen. Auch um die Diagnostik von Lernstörungen geht es hier, oder um das Erkennen von Stärken und Schwächen der Schüler und den Umgang damit. Außerdem muss jeder, der Lehrer werden will, vor dem Studium ein Eignungspraktikum an einer Schule absolvieren. Dort stellt sich schnell heraus, ob man mit Kindern arbeiten will und der Lehrerberuf das Richtige für einen ist.

Man fragt sich, warum solch ein Vorpraktikum und ein allgemeines Praxissemester nicht schon längst überall Standard sind. Sicherlich, weil sie organisatorisch einigen Aufwand erfordern. Universitäten und Schulverwaltungen müssen zusammenarbeiten, Lehrer an den Schulen für die Studentenbetreuung freigestellt werden. Das passiert nicht nebenbei. Aber vielleicht kann ein neuer Bundeswettbewerb den nötigen Schub geben – und ebenso eine Debatte darüber anstoßen, was ein guter Unterricht ist. Die gibt es ja an den Universitäten kaum. Auch später, an den Schulen, reden Lehrer selten darüber. Keiner schaue dem anderen in die Karten, sagte einmal ein Lehrervertreter. Vor zwei Jahren ergab eine Befragung, dass es vielen an Aufgeschlossenheit für neue Unterrichtsformen, am Fortbildungswillen und an Kritikfähigkeit mangle. Zugleich beklagt mancher sein Einzelkämpferdasein.

Auch dies könnte man beenden, indem man bereits im Studium Wert auf Teamarbeit legt und endlich der Tatsache Rechnung trägt, dass Lehrer an heutigen Schulen ohnehin nur im Team mit anderen überleben können. Nur so lassen sich Kinder individuell betreuen. Dafür sind neue Kooperationen notwendig. Vielleicht werden diese durch die neuen Dachinstitute, die „Schools of Education“, gefördert, die nach und nach an den Universitäten entstehen.

Dann ist hoffentlich auch bald Schluss mit dem Ärgernis, dass Lehrerstudenten während ihrer Ausbildung nicht von einem Land zum anderen wechseln können, weil Studiengänge nicht miteinander vergleichbar sind. Wenn sich das nicht bald ändert, wünscht man den Ländern keinen prestigebringenden neuen Wettbewerb – sondern die Faust des Bundes auf den Tisch!