Dreimal – in Tunesien, Marokko und Ägypten – wurde in diesem Jahr in der arabischen Welt gewählt, und dreimal haben die Islamisten gewonnen. Die Enttäuschung ist groß. Bei jenen, die vor einem Jahr in Tunis und Kairo Kopf und Kragen riskiert haben und jetzt mit ansehen müssen, wie die Trittbrettfahrer der Revolution Wahlsiege einheimsen. Aber auch hierzulande, hat man doch weithin angenommen, die Länder jenseits des Mittelmeers würden sich jetzt gewissermaßen auf den Weg in die Moderne aufmachen.

Der Enttäuschung ging eine Täuschung voraus. Weder in Tunesien noch in Ägypten gibt es das Volk. In Tunis gingen Zehntausende von Jugendlichen für Freiheit und Demokratie auf die Barrikaden, im konservativen, religiös geprägten Zentrum und Süden des Landes bangten die Menschen vor allem um ihre wirtschaftliche Zukunft. Auf dem Tahrir-Platz protestierten Hunderttausende gegen die Diktatur. In den Vor- und Schlafstädten Kairos und auf dem Land hatte man andere Sorgen. Der verengte Blick auf eine Facebook-Jugend, die sich am Westen orientiert, hat ein Trugbild entstehen lassen. Der Täuschung folgt die Enttäuschung.

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