Auf dem Höhepunkt der gesellschaftlichen Revolte von 1968 versuchte sich der konservative Politikwissenschaftler Wilhelm Hennis dem aufrührerischen Geschehen über den Begriff der Unruhe anzunähern. Ihm war aufgefallen, dass den Aktivitäten der Studenten beinahe selbstverständlich eine innere Rationalität attestiert wurde. Weil die Verhältnisse insbesondere an den Universitäten verknöchert gewesen seien, so der allgemeine Tenor, trugen die Studenten folgerichtig ihre Form von politischem Aktivismus auf die Straße und fanden dafür weithin Zustimmung.

Hennis hielt indes dagegen, dass das Aufbegehren wohl kaum hinreichend durch den Mangel an Reformen begründet werden konnte. Wohl niemals zuvor, so Hennis, habe Deutschland derart viele Veränderungen und Reformen erlebt wie in den Jahren zwischen 1948 und 1968. Den Grund für die gesellschaftliche Unruhe sah er also weniger in Versteinerung und Stagnation, sondern vielmehr in einem forcierten sozialen Wandel, der weit über die Lebensverhältnisse der Studenten hinausging. Den aufbegehrenden Studenten bescheinigte Hennis ein hohes Maß an Irrationalität.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.