Berlin - Die Corona-Zahlen sinken, die Debatte über die Wiedereröffnung von Schulen nach wochenlangen Schließungen wird eines der wichtigsten Themen bei dem Bund-Länder-Treffen am Mittwoch. Um die Schulen auf einen Präsenzunterricht vorzubereiten, hat Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Montag Handlungsempfehlungen vorgestellt. Indes haben Länder wie Berlin bereits Szenarien in den Schubladen.

Völlig unabhängig von den Gesprächen am Mittwoch im Kanzleramt rechnet niemand damit, dass sich in der Hauptstadt in der ersten Woche nach den Winterferien irgendetwas am Status quo ändert. Und der sieht folgendermaßen aus: Schüler der Abschlussjahrgänge – also die Klassenstufen 10 sowie 12 beziehungsweise 13 – können nach Absprache von Schulleitung und Elternschaft Wechselunterricht an den Schulen wahrnehmen. Alle anderen müssen zu Hause Homeschooling machen.

Dennoch wird parallel an Szenarien gearbeitet – wenn denn die Infektionszahlen es hergeben und solche Entscheidungen politisch durchzusetzen sind. So werden in der Senatsbildungsverwaltung derzeit konkrete Pläne abgestimmt, die zumindest einen teilweisen Neustart an den Schulen ermöglichen sollen. Dabei soll es unter anderem um regelmäßige Verteilung von Masken und Corona-Schnelltests gehen.

So will die Verwaltung zusätzlich zu den bereits an pädagogisches Personal an Schulen verteilten 100.000 FFP2- beziehungsweise KN95-Masken im Laufe dieser Woche noch einmal 680.000 Schutzmasken ausliefern – 350.000 davon sind demnach für die Schulen vorgesehen, 260.000 für den Kita-Bereich sowie etwa 70.000 für die stationäre Jugend- und Eingliederungshilfe. Dafür stehen rund 500.000 Euro zur Verfügung. Bereits im Dezember wurden nach Angaben der Senatsverwaltung zudem 1,75 Millionen einfache Mund-Nasen-Schutzmasken für das pädagogische Personal an Schulen sowie 8,3 Millionen Exemplare für Schüler an weiterführenden Schulen bereitgestellt.

Die angekündigten Maskenlieferung wäre für Tom Erdmann, den Berliner Vorsitzenden der Erziehungsgewerkschaft GEW, „schon einmal ein Anfang“. Aber sie würde angesichts von 50.000 pädagogisch Beschäftigten an Berliner Schulen „gerade einmal für die ersten Wochen reichen“, sagt er im Gespräch mit der Berliner Zeitung. „So eine Menge müsste monatlich kommen.“ Außerdem sei immer noch nicht geklärt, wie die insgesamt 400.000 Schülerinnen und Schüler ausgestattet werden. „Die wurden bisher ausgeklammert.“

Für ein mögliches Neustart-Szenario wird es auch um eine Teststrategie gehen. Die Überlegung ist, wie Schnelltests Pandemie-sicheres Arbeiten gewährleisten können. So wird bereits am Dienstag über mögliche flächendeckende Tests an Schulen beraten. Angestrebt wird derzeit ein Test pro Woche. Das ist immerhin nicht nichts.

Die Handlungsempfehlungen des Bundesbildungsministeriums wurden nach Befragung von 36 Fachgesellschaften erstellt. Dazu zählten unter anderem die deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, die Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie sowie die der Kinder- und Jugendärzte. Außerdem waren Lehrer- und Elternverbände eingebunden.

Die Maßnahmen umfassen die allgemein gültigen Hygieneregeln sowie schulspezifische Bereiche: Dazu gehören Klassenteilung und Kohortierung, also die Einteilung der Schüler in feste Gruppen, die an verschiedenen Tagen Präsenzunterricht haben. Außerdem soll der Unterricht für Grundschüler gestaffelt beginnen. Um die Kontakte der Schüler auf dem Schulweg zu reduzieren, wozu auch weniger volle Schulbusse gehören, empfehlen die Experten Wechselunterricht und einen gestaffelten Unterrichtsbeginn. Musikunterricht sollte möglichst ohne Singen und Blasinstrumente stattfinden, Sportunterricht am besten draußen. Außerdem geben die Leitlinien vor, wie mit Verdachtsfällen umzugehen ist und wie gelüftet werden soll.

Allerdings: „Die Leitlinien sind keine Grundlage dafür, wann die Schulen in den Bundesländern wieder öffnen dürfen“, sagte Karliczek am Montag in Berlin. Die Handlungsempfehlungen sollen lediglich darstellen, wie die Schulen wieder zum Unterricht zurückkehren können.

„Wenn die Entscheidung getroffen wird, die Schulen wieder zu öffnen, ist es notwendig, dass die Verantwortlichen vor Ort wissen, was zu tun ist. Jetzt können wir ihnen evidenzbasierte und von einer breit aufgestellten Gruppe getragene Handlungsempfehlungen an die Hand geben“, sagte die Ministerin.