Kaffee (Symbolbild)
Foto: dpa/Marcus Brandt

Phnom PenhVor ein paar Tagen stand ich auf einem Markt in Kambodscha und überlegte, ob ich mir ein Päckchen „Weasel“-Kaffee kaufen sollte. Der Kaffee stammt aus der Region Mondulkiri, welche, so versicherte mir die Verkäuferin, in der ganzen Welt bekannt sei für guten Kaffee.

Mondulkiri? Nie gehört. Aber genau das ist ja das Schöne am Reisen, dachte ich. Man wird so viel klüger. Das Besondere am „Weasel-Kaffee“ ist, erzählte mir die Verkäuferin, dass die Kaffeebohnen von Wieseln gefressen werden. Und dann ausgeschissen. Die Ausscheidungen werden eingesammelt, gesäubert und geröstet. So entstehe der besondere Geschmack. „Very fruity.“

Koffer voller Andenken-Schrott

Kurz bevor ich ein halbes Kilo von diesem faszinierenden kambodschanischen Wiesel-Kot-Kaffee kaufen konnte, zum „Good price, Sir!“ von rund 50 Euro, kam meine Frau und zog mich schnell weg vom Kaffee-Stand. Im Urlaub muss man auf mich aufpassen wie auf ein Kind. Sonst kaufe ich sieben Koffer voller Andenken-Schrott. Kot-Kaffee, Thai-Whisky, verbeulte Feuerzeuge aus dem Vietnam-Krieg, gefälschte Uhren oder mundbemalte Teller von Eingeborenen.

Auch die farbenfrohen Zeichnungen des Tempels von Angkor Wat im Stile des naiven kambodschanischen Realismus, die mir ein Straßenhändler kurz darauf anbot, waren wunderschön. „Good price“, sagte der Mann und sofort wurde ich wieder schwach. „Good price“ ist ein Zauberwort für einen Ostdeutschen wie mich. Ich kann es nicht erklären.

Der Drang, unnützes Zeug, zu kaufen

In Deutschland verhalte ich mich ganz normal. Ich würde sagen: vernünftig. Aber sobald ich ein anderes Land betrete, renne ich in Souvenir-Shops oder Supermärkte oder auf Märkte und muss unnützes Zeugs kaufen.

Aus Afghanistan brachte ich mal eine Burka mit. Ich dachte: Wer weiß, wozu man die mal gebrauchen kann. In Kabul kaufte ich auch einen traditionellen afghanischen Anzug, bestehend aus einer weiten, puffigen Hose und einem weiten, puffigen Oberteil. Wahrscheinlich stellte ich mir vor, ich würde in afghanischer Tracht durch die Straßen von Prenzlauer Berg spazieren. Gutsch, der Paschtune.

Dazu würde ich getrocknetes Obst kauen, das ich selbstverständlich auch in großen Tüten aus Afghanistan mitbrachte. Aber du magst doch gar kein getrocknetes Obst, sagte meine Frau. Aber es ist getrocknetes Obst aus Afghanistan!, sagte ich.

„Echte Handarbeit!“

Manchmal denke ich, es liegt einfach in unserer Familie. Eine Art genetische Veranlagung. Vor einigen Jahren fuhren meine Eltern in die Türkei, und als sie zurückkamen, stand kurz darauf ein Lkw vor dem Haus in Karlshorst und lud türkische Teppiche ab, die meine Eltern in einem türkischen Teppichladen bestellt haben mussten.

Nie werde ich den verzweifelten Blick meines Vaters vergessen, als die Männer immer mehr Teppiche hinunter in den Keller trugen. „Echte Handarbeit“, sagte meine Mutter trotzig. „Echte Handarbeit!“ Aus Bayern oder von der „Grünen Woche“ brachten meine Eltern auch mal einen aus einem Baumstamm geschnitzten Springbrunnen mit. „Echte Handarbeit“ sagte meine Mutter wieder. Er steht noch immer im Garten meiner Eltern, und mein Vater nutzt ihn zuweilen als Behältnis für Fallobst.

Die Rache der Einheimischen an Touristen?

Von Kambodscha reiste ich nach Bangkok – ins Paradies für Souvenirs und billigen, gefälschten Schrott. Ich sah Touristen in T-Shirts, auf denen jeder Zentimeter mit dem Namen „Calvin Klein“ bedruckt war. Ich sah deutsche Männer in Stoffhosen mit großflächigen Elefanten-Motiven. Ich sah deutsche Frauen in Trekking-Sandalen in der Khaosan-Road sitzen. Wo sie sich wilde Dreadlocks knüpfen ließen. Und ihre Hände mit Henna bemalten.

Vielleicht ist der ganze Urlaubsschrott ja die verdiente Rache der Einheimischen am reichen Touristen. Und ich? Habe mir heimlich doch noch ein Päckchen Kaffee aus Mondulkiri gekauft. Die schöne Kot-Sorte: „Robusta Arabica Weasel“.