Über dem Bamberger Dom ist die Leuchtschrift "GOD" (Gott) des Berliner Künstlers Via Lewandowsky zu lesen. Die illuminierte Schrift wechselt immer zwischen "Good" und "God".
Foto: Nicolas Armer/dpa

BerlinDer Glaube ist längst nicht nur Privatsache. Öffentliche Diskussionen um die Rolle der Frau in der katholischen Kirche oder um das Tragen von Kopftüchern in Schulen zeigen, dass viele politische Fragen mit der Religion verbunden sind. Unsere Experten haben diese in ihren Beiträgen in dieser Woche aufgegriffen.

Andrea Voß-Frick, Mit-Initiatorin der Bewegung Maria 2.0, sprach sich dafür aus, damit zu beginnen, die Kirche Schritt für Schritt von unten zu verändern. Auf die „Kirchenherren“ will sie nicht warten.

Die Journalistin und Podcasterin Merve Kayikci erklärte, sie wolle ihre Religiosität nicht verstecken müssen. Tatsächlich verbringe sie aber mehr Zeit damit, ihren moslemischen Glauben zu erklären, als ihn zu leben.

BLZ/Tagesspiegel/BpB
30 Jahre Meinungsfreiheit

Vor 30 Jahren fiel die Mauer, aus der geteilten Stadt wurde ein geeintes Berlin. Gemeinsam mit dem Tagesspiegel und der Bundeszentrale für politische Bildung feiern wir die Meinungsfreiheit – mit guten Argumenten und großen Debatten. 


Die Studentin Anastassia Pletoukhina warb für einen sensiblen und respektvollen Umgang miteinander. Als in Halle der Anschlag auf die Synagoge verübt wurde, befand sie sich gerade in dem Gotteshaus.

Der Abteilungsleiter Bildung beim Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg, Matthias Krahe, plädierte dafür, Atheisten an gesellschaftlichen Gremien zu beteiligen, wo sie heute oft noch fehlen.

Die Pfarrerin Maria Beyer erinnerte an die Rolle der Kirche in der Wende 1989 und plädierte dafür, im Gespräch zu bleiben und Veränderungen gewaltfrei herbeizuführen.


Das sind die Reaktionen der Leser


Durch Verschleierung wird Toleranz überstrapaziert

Solange religiöse Riten die Gesellschaft weder behindern oder belästigen und die Gesetze des Landes nicht verletzen, sind diese Privatsache. Es ist aber auch in einer offenen Gesellschaft nicht hinnehmbar, dass diese auf alle religiösen Bräuche Rücksicht zu nehmen hat. Vermummung durch Gesichtsschleier, Berücksichtigung von nicht landesüblichen Feiertagen, Verletzung der Menschenrechte wie Beschneidung oder Zwangsehe – all dies zerstört eine Demokratie und die Toleranz der Menschen gegen Andersgläubige wird überstrapaziert. Renate Quente, Berlin-Tempelhof

Ich gehe mit meinem Glauben durchs Leben. Leben und leben lassen. 

Ictus_tone über Instagram

Ein Deutschland frei von Religion

Ich bin gottlos glücklich und wäre noch glücklicher, wenn man Religion aus dem öffentlichen Raum verbannen würde. Das Haupthindernis dafür ist aus meiner Sicht der Grundsatz der „Religionsfreiheit“. Was heißt das? Wenn ich einem Nicht-Christen zumute, vor Gericht, in Schulen und öffentlichen Einrichtungen über mir das Kreuz der Leiden Jesus Christi zu akzeptieren, dann muss ich auch die Symbole anderer Religionen akzeptieren und hier anbringen: die Kopftücher, die koscheren Gerichte und andere, für mich nicht akzeptable Brauchtümer.... Ich müsste die Universitäten dazu umfunktionieren, nicht Wissen, sondern Glauben an die erste Stelle zu setzen. Dies ist kürzlich dadurch erfolgt, als man an der Humboldt-Uni islamische Theologie-Institute installiert hat, obwohl eine bekenntnisorientierte Fachrichtung nicht mit Wissenschaft in Verbindung gebracht werden kann. (Bibel, Koran u.a. sind wahr - können und dürfen nicht hinterfragt werden.) Solange auch unsere Politiker aus der ersten Reihe auf die Bibel und „so wahr mir Gott helfe“ schwören, wird sich die Religionsfreiheit nicht in Richtung „frei von Religion“ bewegen! Armes gottverlassenes Deutschland. Eckhard Behrendt

Kriege werden im Namen einer Religion verursacht

Alle Religionen versprechen das Heil und wollen immer nur das Gute. Leider fängt der Ärger schon damit an, dass jede Religion natürlich der Überzeugung ist, dass sie den einen, einzigen und wahren Gott anbetet und es Menschen gibt, die sich anmaßen, in seinem Namen etwas zu verkünden oder in seinem Namen zu sprechen. Wenn ich dann in die Geschichte zurückblicke, dann sehe ich, dass irgendeine Religion die größten Kriege und die meisten Opfer verursacht hat oder dass diese im Namen einer Religion verursacht wurden und das leider bis heute. Achim Knuth

Für mich ist Religion Menschlichkeit. 

Kutbettinkapcin via Instagram

Politik und Glaube sind keine öffentlichen Themen

Glaube oder Nichtglaube ist in Deutschland Privatsache. Dazu ­gehört es auch, sich in der Öffentlichkeit und im sozialen Umgang nicht mit Symbolen seines Glaubens zu produzieren. Politik und Glaube sind bei einer guten Erziehung keine öffentlichen Gesprächs- und ­Darstellungsthemen. Das hat mit ­Toleranz nichts zu tun. Privat gehört in die eigenen vier Wände, und da hat es zu bleiben. Im öffentlichen ­Leben ist man gehalten neutral zu sein. Dorothée Wilhelm via Facebook

Eine friedliche Atmosphäre in der Gesellschaft schaffen

Der richtige Glaube ist, ein sauberes Herz zu haben und infolgedessen in der Gesellschaft eine friedliche Atmosphäre zu schaffen. Gutes Verhalten aufzuzeigen. Anderen gegenüber Respekt zu zeigen, egal an was sie glauben. Ich bin auch für das Neutralitätsgesetz, das jedoch nicht konsequent durchgesetzt wird und daher zu Irritationen führt. Hafsa Özkan via Facebook

Also meine Kontaktpunkte mit dem Christentum sind Preacher und Lucifer auf Prime/Netflix.

Voneffenberg via Instagram

Krieg aufgrund einer Doktrin ist unfassbar

Als Atheist befremdet mich diese Diskussion, da es mir persönlich egal ist, wer woran glaubt. Nur die Trennung von Staat und Kirche ist mir sehr wichtig und in Deutschland leider nie vollzogen. Solange der Klerus überall mitmischt und mir seine Ansichten in vielen Dingen des täglichen Lebens aufzwingt, wird sich bei mir die Ablehnung gegen eine Staatsreligion weiter halten. Die Kirche hat noch nie etwas hervorgebracht, was die Menschheit weiter bringt und da schließe ich ausdrücklich den Frieden mit ein. Eine Doktrin zu vertreten und deshalb Krieg zu führen ist im aufgeklärten 21 Jahrhundert schlichtweg unfassbar. Marko Büchsel via Facebook

Religion ist die Grundlage für humanes Handeln

Das jüdisch-christliche Erbe hat immer wie ein Sauerteig in der Gesellschaft gewirkt, ob es explizit oder nur implizit politisch war. (...) Meine Antwort auf Ihre Frage ist, dass Deutschland, wie jedes andere Land, Religion braucht und deren Wirkung natürlich auch diskutieren und gegebenenfalls begrenzen muss., weil Religion für viele Menschen zu ihrem Wesenskern gehört und die Grundlage für humanes Handeln bildet. Georg Wagener-Lohse

Wir brauchen Menschlichkeit

Die Frage ist ja auch so formuliert, dass sie den Leser lenkt und gleich gegen Religion hetzen will. Menschen, die von ihrer Religion überzeugen wollen nerven total, keine Frage. Aber dieser Artikel nervt viel mehr. Hört auf gegen Religion zu hetzen. Meine Güte! Wer religiös sein will, soll es sein. Wer es nicht will, soll es eben nicht sein. Jedem das seine. Brauchen tut hier keiner was. Menschlichkeit brauchen wir. Sei es über Religion oder über andere Wege. via Instagram

Die Krücke behalten und andere nicht missionieren

Glauben ist ein Krückstock, mit Hilfe dessen viele nicht durchs Leben kommen, ohne hinzufallen. Solange sie nicht andere zu missionieren versuchen, sollen sie ihre Krücke doch benutzen. Aber Staat und Religion muss im 21. Jahrhundert getrennt sein. Martina Khamphasith via Facebook

Glaube ist Privat

Ich gebe Matthias Krahe vollkommen Recht. In Schulen sollte Neutralität sein. Genauso wie in anderen Öffentlichen Gebäuden. Glaube ist Privat und gehört nicht schon in den Schulen eingeimpft. Somit sollte allen Staatsbediensteten klar sein, dass sie während der Arbeit einen neutralen Staat vertreten und nicht ihre eigene Überzeugung und dies beginnt bereits bei der Kleidung. Wer das nicht einsieht, hat im öffentlichen Dienst nichts zu suchen. Alessandro Riemer via Facebook