Engagierte Linke: Die Erfurterin Susanne Hennig-Wellsow
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BerlinDie Gerüchte gibt es schon länger, aber nach dem Verzicht der bisherigen Bundesvorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger wird das Szenario wahrscheinlicher: Die Linke könnte die erste Partei mit weiblicher Doppelspitze werden.

Immer wieder werden die Fraktionsvorsitzenden der Linken im Hessischen Landtag, Janine Wissler, und ihre Thüringer Amtskollegin Susanne Hennig-Wellsow dafür genannt. Beide haben noch nicht eindeutig erklärt, dass sie kandidieren wollen, aber Hennig-Wellsow hat sich zumindest schon mal den Satz entlocken lassen, dass sie die Idee eines weiblichen Führungsduos für ihre Partei „charmant“ finde.

Für Susanne Hennig-Wellsow wäre das eine Möglichkeit, aus dem Schatten von Ministerpräsident Bodo Ramelow herauszutreten. Er ist es, der – zumindest außerhalb des Bundeslandes – häufig als Thüringer Linkenvorsitzender bezeichnet wird. Dabei ist es die 42-jährige Hennig-Wellsow, die die Landespartei seit immerhin sieben Jahren führt. Die Arbeitsteilung mit Ramelow läuft gut – er ist der Landesvater, sie hat den Parteikram im Griff. Dass sie eine resolute bis streitbare Person ist, bekam eine breitere Öffentlichkeit Anfang Februar mit, als sie dem Überraschungs-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich, der mit den Stimmen der AfD gewählt wurde, den Gratulations-Blumenstrauß vor die Füße warf. Es sei eine spontane Aktion gewesen, erzählte sie der Berliner Zeitung später. „Ich wusste nur, dass ich ihm die Blumen auf keinen Fall überreichen kann.“

Dass sie den Krawall oder gar das Rampenlicht aus Selbstzweck sucht, kann man nicht behaupten. Es ist eher so, dass sie dem Streit nicht ausweicht, wenn er sich ihr in den Weg stellt. Vor allem, wenn es gegen Rechts geht: So wurden erst kürzlich Ermittlungen wegen einer Sitzblockade am 1. Mai 2019 gegen sie eingestellt, mit der sie und andere Linken-Politiker gegen eine Demo der AfD protestiert hatten. Vielleicht trägt die Erfurterin solche Auseinandersetzungen ja bald bundesweit aus. „Ich mag Berlin“, sagte sie der Berliner Zeitung am Sonntag. „Ob das für eine solch weitreichende Entscheidung reicht, werde ich noch sehen.“