Berlin - Weil nur wenige Führungspositionen mit Ostdeutschen besetzt sind, will der Leipziger Linken-Abgeordnete Sören Pellmann eine Ostquote. Pellmann, Ostbeauftragter der Linksfraktion und Kandidat für den Bundesvorsitz seiner Partei, bezieht sich dabei auf die Ergebnisse einer neuen Studie. Demnach haben Ostdeutsche selbst in den ostdeutschen Ländern nur 26 Prozent aller Spitzenposten. Bundesweit sind es sogar nur rund 3,5 Prozent. In beiden Fällen ist das viel weniger als der Bevölkerungsanteil.

„Die Ergebnisse der jüngsten Studie sind erneut niederschmetternd“, sagte Pellmann am Mittwoch. „Ostdeutsche werden beim Thema Führungspositionen in Politik und Gesellschaft systematisch benachteiligt.“ Die neue Bundesregierung gehe mit schlechtem Beispiel voran, da es kaum Führungspersonal in den Bundesministerien gebe. „Das widerspricht dem Grundgesetz“, meinte Pellmann. „Artikel 36 muss endlich beachtet werden. Dafür braucht es eine Quotenregelung in Bundesministerien und obersten Bundesbehörden.“

In Artikel 36 des Grundgesetzes heißt es: „Bei den obersten Bundesbehörden sind Beamte aus allen Ländern in angemessenem Verhältnis zu verwenden. Die bei den übrigen Bundesbehörden beschäftigten Personen sollen in der Regel aus dem Lande genommen werden, in dem sie tätig sind.“

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, will ebenfalls mehr Spitzenleuten aus dem Osten den Weg in Chefetagen bahnen. „Die gesellschaftlichen Führungsstrukturen sollten ein Abbild des ganzen Landes sein, ob in Wirtschaft, Wissenschaft, Justiz, Politik oder Medien“, sagte der SPD-Politiker der dpa. „Das ist nicht der Fall und gilt auch für Ostdeutsche, die in Führungspositionen nicht angemessen vertreten sind.“ Seit Jahren wird beklagt, dass der Anteil ostdeutscher Spitzenkräfte nicht dem entsprechenden Bevölkerungsanteil entspricht. Die Ampel hatte im Koalitionsvertrag festgelegt, dies zu ändern.

Daten zu Ostdeutschen in Führungspositionen werden seit 2004 in einer Zeitreihe von der Produktionsgesellschaft Hoferichter & Jacobs in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig und dem Mitteldeutschen Rundfunk erhoben. Anlass der Präsentation ist das Ostdeutsche Wirtschaftsforum nächstes Wochenende.