Berlin - Am 22. Juni jährt sich der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion zum 80. Mal. Der Bundestag wird dazu keine Gedenkveranstaltung abhalten. Die Fraktion Die Linke plant daher am Vorabend des Jahrestages eine eigene Gedenkveranstaltung.

 Geplant ist eine Präsenzveranstaltung in der Halle des Paul-Löbe-Hauses mit maximal 150 Gästen. Sie soll zudem in einem Livestream übertragen werden. Die Duma-Abgeordneten Jelena Drapeko und Oleg Shein haben nach Angaben der Linken ihre Teilnahme bereits zugesagt, außerdem wurden russische Kriegsveteranen und die frühere Moskau-Korrespondentin der ARD und Publizistin Gabriele Krone-Schmalz um Beiträge gebeten.

Die Veranstaltung der Linken ist die einzige im Bundestag zu diesem Jahrestag, der in die letzte Sitzungswoche des Bundestages in dieser Legislaturperiode fällt. Wie berichtet hat der Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eine Feierstunde im Plenum abgelehnt. Er wolle an der bisherigen parlamentarischen Übung einer ungeteilten Erinnerung an den gesamten Verlauf des Zweiten Weltkrieges und des angegangenen Leids festhalten“, schrieb Schäuble an den Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der Linken-Fraktion, Jan Korte, nachdem die Linke bei ihm angefragt hatte. Es werde im Juni aber eine Jugendveranstaltung des Bundestags geben, auf der man sich auch mit dem Leid auseinandersetzen werde, das der Zweite Weltkrieg in den Staaten der UdSSR, in Polen und den anderen beteiligten Staaten verursacht hat, so Schäuble weiter.

Es sei noch nicht abschließend entschieden, an welchen Gedenkfeiern zur Mahnung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft Mitglieder der Bundesregierung im In- und Ausland teilnehmen werden, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der Linken an die Bundesregierung. Selbst werde die Bundesregierung aber keine Veranstaltung zu diesem Jahrestag durchführen: „Die Bedeutung eines Erinnerungsanlasses ist unabhängig von den Ausrichtern möglicher Gedenkveranstaltungen.“

Gedenken an Überfall auf die Sowjetunion: Sonderausstellung im Museum Berlin-Karlshorst

Allerdings soll im Museum Berlin-Karlshorst am 22. Juni eine Sonderausstellung eröffnet werden, die an den Überfall des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion im Jahr 1941 erinnert und die gemeinsam mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Verbindung mit dem Deutschen Historischen Institut Moskau erarbeitet wurde.

Am nächsten Tag soll außerdem eine Gruppe Jugendlicher des Projektes „Peaceline“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge empfangen werden. Eine Woche später gibt es dann ebenfalls im Museum Karlshorst eine Lesung von Briefen von Rotarmisten und Einwohnern des ukrainischen Kamenezk-Podolsk kurz vor der Einnahme durch die Wehrmacht im Juli 1941.