Berlin - Trotz allem hatten wir in diesem Jahr Gründe zur Freude: Unser Gesundheitssystem, die Pfleger, Laboranten und Ärzte bewährten sich vorzüglich, ebenso unsere Regierung (trotz des notorischen Gemeckers); Uğur Şahin und Özlem Türeci entwickelten in Mainz einen vielversprechenden Impfstoff. Diese beiden Deutschen zeigen, wie sehr unser Land von Zuwanderern profitiert.

Geistig und rassistisch vernagelt verschließt sich die AfD solcher Einsicht. Zudem betreibt sie in Sachen Corona aus niedrigen Beweggründen eine verantwortungslose, in der Konsequenz für viele Menschen tödliche Propaganda.

Inzwischen ist einer der Organisatoren der wilden Leipziger „Querdenken“-Demonstration vom 7. November an Corona gestorben: Harald Haenisch, AfD-Stadtrat in Böhlen. Er galt seinen Leuten als Held, und Alice Weidel und Alexander Gauland veranstalteten zur Rechtfertigung der Anti-Corona-Chaoten ein nichtswürdiges Spektakel im Bundestag. Jetzt bezeichnet Weidel Kommentare zu den Todesumständen ihres Parteigenossen als „absolut pietätlos“. Zu ihrer Mitschuld an der Verharmlosung des Coronavirus schweigt sie pietätvoll. Insgesamt halte ich die Aktivitäten der AfD zum Thema Corona für kriminell.

Anders als die AfD-Funktionäre freuen sich die meisten Menschen in Deutschland über die Niederlage von Donald Trump. Aber Vorsicht! Indem mit der Regierung von Joe Biden wieder Rationalität in die transatlantischen Beziehungen einkehrt, lassen sich schon heute antiamerikanische Proteste der deutschen Linken vorhersagen: Das Freihandelsabkommen TTIP wird wieder auf die Tagesordnung rücken, auch erscheinen gemeinsame Militäreinsätze wahrscheinlicher als unter der Präsidentschaft Donald Trumps.

Zur größten Freude dieses Jahres wurden für viele und auch für mich die so beharrlich demonstrierenden Heldinnen in Belarus: unerschrockene, dabei so freundliche, klar denkende und sprechende weltoffene Frauen. Sie treten für Freiheit und Recht ein. Ihr Aufbegehren richtet sich gegen einen machtgeilen und betrügerischen, von tumben Männern gelenkten, von feig maskierten Prügelgarden gewaltsam aufrechterhaltenen, durch und durch verkommenen Machtapparat.

Die seit Monaten aktiven Frauen pflegen phantasievolle Formen des Protests. Sie wollen keine Feindschaft mit Russland oder Rache an Diktator Lukaschenko, seinen Gehilfen und Lakaien - sie wollen Entfaltungsmöglichkeiten für sich und ihre Kinder. Sie wenden sich gegen ein verlogenes, zum offenen Blick in die Zukunft unfähiges Regime. Die Art, wie Hunderttausende Frauen mit hellen Gesichtern den derben Miliztruppen entgegentreten und ohne großmäulige Radikalisierung für ihre politischen und sozialen Ziele einstehen, verdient großen Respekt - moralischen und diplomatischen Beistand.

Wer meine Kolumnen seit längerer Zeit liest, weiß, dass ich kein notorischer Kremlhasser bin. Wladimir Putin müsste - auch im wohlverstandenen Interesse Russlands - endlich aufhören, die grausamen Zuckungen des längst delegitimierten Lukaschenko-Regimes künstlich zu verlängern. Von selber wird er das nicht tun. Sanktionen erscheinen in diesem Fall gerechtfertigt.