Armin Laschet
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DüsseldorfNordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat seinen Umgang mit der Corona-Pandemie verteidigt und die Notwendigkeit einer ständigen Abwägung von Grundrechtseinschränkungen und vorsichtigen Lockerungsmaßnahmen hervorgehoben. „In dieser Lage muss man verantwortlich abwägen, immer wieder, jeden Tag neu“, sagte Laschet am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landtag.

„Diese Krise ist noch nicht zu Ende. Das Virus ist weiter unter uns“, sagte Laschet laut AFP mit Blick auf den massiven Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies in Westfalen. Dort hatten die Behörden am Dienstag in den Kreisen Gütersloh und Warendorf wieder weitreichende Beschränkungen des öffentlichen Lebens verfügt, die am Mittwoch in Kraft traten.

Corona-Fälle bei Tönnies im Kreis Gütersloh

Laschet nannte die Corona-Fälle bei Tönnies im Kreis Gütersloh das „bisher größte Infektionsgeschehen in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland“. Die Lage berge ein „enormes Pandemierisiko“. Dem NRW-Ministerpräsidenten zufolge wurden laut aktuellen Zahlen bei Tönnies 6139 Beschäftigte getestet, 1413 waren positiv ebenso wie weitere 353 Menschen im Umfeld dieser Beschäftigten. Allerdings könne es bei Letzteren Doppelzählungen gegeben haben.

Bei der Bevölkerung der beiden Kreise warb Laschet für Verständnis für den nun dort geltenden Teil-Lockdown. „Ja, wir muten Ihnen da viel zu – die Sicherheit macht es erforderlich.“

Reisen nach und aus Landkreisen Gütersloh und Warendorf „nur in besonderen Fällen“

Laschet dankte zugleich den Behördenmitarbeitern vor Ort für deren Einsatz. Ein örtlicher Krisenstabsleiter habe in der vergangenen Nacht gesundheitliche Probleme bekommen und sei „zusammengebrochen“, sagte der Düsseldorfer Regierungschef. Die Menschen vor Ort arbeiteten bis an ihre persönlichen Belastungsgrenzen.

Die Bürger in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf rief Laschet auf, die Kreise „nur in besonderen Fällen zu verlassen“. Menschen mit Reiseplänen in den bevorstehenden Sommerferien empfahl der Ministerpräsident: „Lassen Sie sich testen.“

„Aber eines geht nicht – dass man öffentlich Menschen aus dem Kreis Gütersloh stigmatisiert. Ich stelle mich vor die Menschen im Kreis Gütersloh“, bekräftigte Laschet. Urlauber aus dem Kreis Gütersloh hatten zuletzt wegen ihrer Herkunft einen Aufenthalt in Mecklenburg-Vorpommern abbrechen müssen. Auch in anderen Bundesländern müssen sie mit Einschränkungen rechnen.