BerlinEs gibt eine Tendenz – nicht mehr, aber auch nicht weniger: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt nicht mehr so schnell wie vor zehn Tagen noch. Doch was bedeutet das für das Leben in der Pandemie? Bei Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, klang das in den vergangenen Tagen so: Die Anti-Corona-Maßnahmen greifen. Aber noch nicht genug. Die Zahlen sind noch viel zu hoch. Konsequenz: Im Land Berlin, so deutet es sich an, könnte der aktuelle Lockdown light bis kurz vor Weihnachten verlängert werden. Im Gespräch ist nach Informationen der Berliner Zeitung aus Senatskreisen der 20. Dezember. Gleichzeitig könnten damit möglicherweise weitere Verschärfungen vermieden werden.

Das sind sicherlich keine guten Aussichten für die unmittelbare Zukunft von Betreibern von Restaurants und Weihnachtsmärkten, Sportstudios, Theatern, Kinos, Museen, Nagelstudios oder Konzerthallen. Keine guten Aussichten auch für Hobby- und Breitensportler, oder einfach für alle, die sich beim vorweihnachtlichen Bummel durch belebte Einkaufsstraßen nicht immer eine Maske über Mund und Nase ziehen wollen. Aber vielleicht eine Perspektive – und das Signal, zunächst keine weiteren Beschränkungen fürchten zu müssen.

Die aktuellen Berliner Lockdown-Regeln gelten bis Ende November, es muss also eine neue Corona-Verordnung her. So wie es in einem derzeit diskutierten Szenario aussieht, könnte sich der rot-rot-grüne Senat am Donnerstag auf eine Verlängerung bis zum 20. Dezember einigen.

Tags zuvor, am Mittwoch, wollen sich die Regierungschefs der Länder einmal mehr mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen. Diese Sitzung soll nicht wieder enden wie jene am vorigen Montag, als das Kanzleramt mit einer unabgestimmten Vorlage scheiterte. Merkel wollte unter anderem schärfere Kontaktbeschränkungen in der Freizeit, nach denen man sich nur noch mit Personen eines weiteren Hausstandes treffen dürfte. Mehrere Länder lehnten ab.

Diesmal, so hat es der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz gesagt, sollen sich erst die Bundesländer auf eine Vorlage einigen. Die Besprechungen dafür laufen seit Tagen. Dabei stimmen sich die SPD-geführten Bundesländer (die sogenannten A-Länder) und die CDU/CSU-geführten B-Länder zunächst getrennt voneinander ab. Am Freitagabend sollte es erste Ergebnisse geben. Danach würden die Vorstellungen übereinandergelegt und schließlich eine Einigung gefunden. Das wird kompliziert, müssen doch die Bedürfnisse von Ländern mit geringem Virus-Geschehen wie Mecklenburg-Vorpommern mit solchen von Hotspots wie Berlin aber auch stark belasteten Flächenländern wie Bayern in Einklang gebracht werden. Hinzu kommt der Hang mancher, sich als knallharte Corona-Bekämpfer zu inszenieren. Deshalb werde es wohl bis Montag dauern, bis der Kompromiss steht. Und erst dann kommt das Kanzleramt.

Wichtigstes Thema dürften die Schulen sein, heißt es aus Senatskreisen. Müller und viele andere Regierungschefs wollen Schulen und Kitas weiter offenhalten. „Wir haben bundesweit eine Situation, wo wir auch Infektionsdynamik sehen, aber so schwach, dass wir uns immer noch im unteren Promillebereich bewegen, was die reinen Infektionszahlen anbelangt“, sagt Müller. Dennoch brauche man weitere Schutzmaßnahmen. Das betreffe den Einsatz von Masken, aber auch von Schnelltests, um Lehrer besser zu schützen.

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