Ein Bauarbeiter bedient in Madrid nach der ersten Lockerung der strikten Ausgängsbeschränkungen einen ferngesteuerten Kran auf einer Baustelle. 
Foto: AP/Paul White

BerlinIn den beiden Wochen vor Ostern standen alle Räder still in Spanien – außer denen, die für die Grundversorgung nötig waren. Jetzt darf wieder produziert und gebaut werden wie vorher. Es ist ein erster Schritt aus der einmonatigen Quarantäne.

Auf den Straßen Madrids war von der vorsichtigen Öffnung am Montagvormittag wenig zu spüren. Die Regionalregierung berichtete, dass der öffentliche Nahverkehr in den Morgenstunden 34 Prozent mehr Menschen transportiert habe als am Montag zwei Wochen zuvor. Die meisten Menschen blieben weiter zu Hause. Wenn es ihr Beruf erlaubt, arbeiten sie daheim. Alle anderen sind auf Kurzarbeit gesetzt oder haben keine bezahlte Beschäftigung.

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Keine Lockerung für Gastgewerbe und Autobau

Nach Schätzung des Unternehmerverbandes CEOE betraf die Verschärfung der Ausgangssperre rund 1,8 Millionen Arbeiter, die – nach den Worten von Ministerpräsident Pedro Sánchez – für zwei Wochen in den „Winterschlaf“ geschickt worden waren. Die Arbeit, die sie versäumt haben, sollen sie bis Ende des Jahres durch Überstunden nachholen, wenn ihre Betriebe durchhalten.

Die beiden größten Industriezweige Spaniens liegen weiterhin still: das Gastgewerbe und der Autobau. Die Fabriken hatten mit Beginn des Alarmzustandes Mitte März ihren Betrieb eingestellt, weil es Probleme bei der Teile-Lieferung gab.

Unter Medizinern herrscht Uneinigkeit

Mit der Lockerung der Ausgangssperre will Spanien ein „Gleichgewicht“ zwischen den Herausforderungen des gesundheitlichen und ökonomischen Notstands herstellen. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist Spanien das Land mit den meisten Covid-19-Toten. Bis zum Montag registrierten die Gesundheitsdienste 17.500 Verstorbene.

„Der Übergang von der extremen Ausgangssperre zu einer wenigen extremen enthält Risiken“, sagt der Epidemiologe Joan Ramon Villalbí, „aber bescheidene.“ Andere sehen das anders. „Wir tappen weiter blind voran“, meint die Virologin Margarita del Val. Es gebe immer noch keine guten Zahlen von Infizierten. „In jedem Moment kann es wieder einen Ausbruch geben.“