Isabel dos Santos bei der Plug in Tomorrow Conference 2018.
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JohannesburgFeigheit kann man Isabel dos Santos nicht vorwerfen. Als sich über ihr ein Gewitter der Entrüstung zusammenbraute, kündigte sie an, bei den kommenden Präsidentschaftswahlen anzutreten. Dass es dazu kommen wird, ist allerdings unwahrscheinlich. 

Denn beliebt ist die 46-Jährige keineswegs, auch wenn man sie in Angola gemeinhin die „Prinzessin“ nennt – das ist jedoch bitter gemeint. Die Angolaner wissen schon lange, was jetzt im Zug der „Luanda Leaks“ bis ans Ende der Welt gedrungen ist: Dass die älteste Tochter des früheren Präsidenten Eduardo dos Santos ihren sagenhaften Reichtum der Vetternwirtschaft verdankt.

Missbrauch von Staatsgeldern

Das Internationale Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) hat herausgefunden, dass dos Santos zusammen mit ihrem kongolesischen Mann Sindika Dokolo über ein Imperium von mehr als 400 Firmen in 41 Staaten der Welt verfügt, von denen 94 in Steueroasen angesiedelt sind. Ihr Reichtum hat der Angolanerin mit britischer Staatsangehörigkeit zu zahlreichen Villen – darunter einem 50 Millionen Euro teuren Anwesen in Monte Carlo –, einer 30 Millionen Euro teuren Jacht sowie einer künstlichen Insel in Gestalt eines Seepferdchens in Dubai verholfen.

Doch erst musste sich dos Santos mehr als eine Milliarde Euro an angolanischen Staatsgeldern widerrechtlich aneignen. Und das in einem Land, in dem 60 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen müssen. Dos Santos war immer schon privilegiert. Während in Angola ein brutaler Bürgerkrieg herrschte, war sie in London, wo sie in den Genuss einer hervorragenden Ausbildung, zuletzt als Ingenieurin im King’s College kam. 

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Schon immer privilegiert

Bald standen ihr überall die Türen offen; außer zu Hause unter Papas Förderung auch in Portugal, der ehemaligen Kolonialmacht Angolas, in England oder Russland. Vater Eduardo habe Angola „wie seine Farm“ behandelt, sagt Menschenrechtler Salvador Freire. Er kannte keine Skrupel, seiner Tochter per Dekret die Filetstücke der Wirtschaft zukommen zu lassen und seinen Sohn zum Generaldirektor der Staatsfonds zu erklären.

Auch die Prinzessin wurde von keinen Skrupeln geplagt. Ihre ersten Millionen machte sie noch während des Bürgerkriegs mit einem Nachtclub. Umso verblüffender, dass Isabel dos Santos jetzt über die „politische Hexenjagd“ klagt. Ihre einzige Chance sieht sie darin, bald selbst Präsidentin zu werden: „Führen heißt dienen“, sagte sie in einem TV-Interview. Auf dieses Motto wäre sie besser schon mal früher gekommen.