Luis Pitarma aus Portugal pflegte Boris Johnson.
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BerlinAls der britische Premierminister Boris Johnson im Wahlkampf dröhnte, nannte er die Arbeitskräfte vom EU-Festland „unqualifizierte Migranten“, angelockt von der britischen Literatur, Kultur und dem Universitätssystem. Er beleidigte damit 3,6 Millionen Menschen und machte sie zu Sündenböcken für alle möglichen Versäumnisse britischer Politik.

Als der schwer am Coronavirus erkrankte Boris Johnson vergangene Woche in der Intensivstation des Londoner St.-Thomas-Hospitals um sein Leben rang, umsorgte ihn einer dieser angeblich nichtsnutzigen EU-Europäer: Luis Pitarma, 29, aus der portugiesischen Stadt Aveiro.

Seit 2013 lebt der Krankenpfleger in London, seit vier Jahren arbeitet er in der Intensivabteilung des  staatlichen St.-Thomas-Hospitals. Seit Herbst des vergangenen Jahres trägt er als Oberpfleger höchste Verantwortung für Schwerstkranke. Sein Linkedin-Profil informiert, dass er zu dem Team gehört, das für das sogenannte ECMO-Verfahren ausgebildet ist, bei dem eine Maschine die Atemfunktion von Patienten übernimmt: Blut wird dabei außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und wieder zurückgeführt.

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, bedankt sich per Video bei den Mitarbeitern des britischen nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) für die Rettung seines Lebens.
Foto: dpa/Pippa Fowles/10 Downing Street

Luis Pitarma gehört also zu den hochqualifizierten Spezialisten, die im staatlichen Gesundheitswesen NHS Großbritanniens Leben retten. Die portugiesische Zeitung Diario de Noticias berichtet stolz, dass dieser junge Portugiese auserwählt wurde, den britischen Premier in den schweren Momenten zu betreuen. In einer Video-Botschaft bedankte sich Johnson namentlich bei zwei Leuten, die „48 Stunden an meiner Seite waren, als die Dinge auch hätten anders ausgehen können“: „Jenny aus Neuseeland und Luis aus Portugal, aus der Nähe von Porto“.

Luis Pitarma nutzte die Bildungschancen und Reisefreiheiten der EU auf exemplarische Weise: Pflegehochschule Lissabon, Erasmus-Programm an der Universität Lahti in Finnland, Weiterbildungsaufenthalte in weiteren EU-Ländern, schließlich Stationen im akademischen Zentrum King’s Health Partner der Universität London South Bank und des Royal Free Hospital.

Voller Stolz rief der portugiesische Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa den gelobten Landmann an und bedankte sich. Die Presse feiert den jungen Mann, einen von vielen, die in Großbritannien an vorderster Front im Kampf gegen die Seuche kämpfen, als Held. Corona kennt keine Grenzen. Es wird spannend, ob Boris Johnson in kommenden Brexit-Debatten wieder zur Beleidigung von EU-Migranten zurückkehrt.