Alle Warnungen der Europäischen Union haben nicht geholfen: Trotz heftiger Kritik hat Weißrussland zwei junge Männer hingerichtet, denen ein blutiger Anschlag auf die Minsker U-Bahn vorgeworfen wird. Dmitri Konowalow und Wladislaw Kowaljow wurden erschossen, gab das Staatsfernsehen am Sonnabend bekannt. Ein Datum wurde nicht genannt.

Die beiden waren in einem höchst fragwürdigen Verfahren vor dem Obersten Gericht im Dezember verurteilt worden. Konowalow soll jene Bombe gebaut und gezündet haben, die 15 Menschen tötete und Hunderte verletzte. Kowaljow wurde als Mitwisser verurteilt. Außerdem wurden den beiden frühere Anschläge zur Last gelegt.

Der Schuldspruch stützte sich lediglich auf Geständnisse, die die beiden in Haft abgelegt hatten. Kowaljow widerrief sein Geständnis vor Gericht, Konowalow sprach von Misshandlungen und psychologischem Druck. Nach dem Anschlag waren Spekulationen aufgekommen, die Regierung selbst könnte für die Tat verantwortlich sein, um ein hartes Vorgehen gegen innenpolitische Gegner zu rechtfertigen.

Die Hinrichtung ist ein unversöhnliches Signal an die EU und ihre Mitgliedstaaten. Noch am Freitag hatte die deutsche Regierung den weißrussischen Botschafter einbestellt und gewarnt, eine Hinrichtung würde die Beziehungen zu Deutschland belasten. Tags darauf setzte sich Außenminister Guido Westerwelle dafür ein, wenigstens Konowalow zu verschonen – zu diesem Zeitpunkt war erst der Tod Kowaljows bekannt.

Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko hat seit seiner Wiederwahl 2010 die Unterdrückung in seinem Land verschärft. Er ließ Straßenproteste niederschlagen und Gegenkandidaten in Haft nehmen, wo sie misshandelt wurden. Am Mittwoch lehnte er ab, Konowalow und Kowaljow zu begnadigen.

Die Beziehungen zur EU sind derzeit ohnehin äußerst angespannt. Nach neuen EU-Sanktionen hatte Weißrussland die Chefin der EU-Mission sowie den polnischen Botschafter ausgewiesen. Daraufhin hatten alle EU-Botschafter vorübergehend das Land verlassen.

Die Mutter des als Mitwisser hingerichteten Kowaljow vermutete, es handele sich um eine Rache der Justiz an ihrem Sohn, weil dieser das abgepresste Geständnis öffentlich widerrufen habe.

Weißrussland ist das einzige europäische Land, in dem Hinrichtungen vollstreckt werden. Die deutsche Bundesregierung verurteilte die Hinrichtungen scharf, der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, zeigte sich erschüttert. „Die Todesstrafe ist unwiderruflich, unmenschlich und entwürdigend“, sagte der deutsche Sozialdemokrat.