Die Corona-Pandemie hat auch die Ukraine erreicht. 
Foto: AFP/Sergei SUPINSKY

KiewDas Internationale Rote Kreuz hat 16 Lastwagen mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten in das Kriegsgebiet der Ostukraine geschickt. Damit solle der tägliche Bedarf von etwa 12 000 zumeist älteren Menschen gedeckt werden, teilte die Hilfsorganisation am Dienstag in Kiew mit. Zwei weitere Transporter lieferten demnach Medikamente und Geräte an ein Blutspendezentrum. Zudem wurde sanitäre Ausrüstung an ein Notfallkrankenhaus in Mariupol gebracht. Das berichtet die dpa. 

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In der Ostukraine kämpfen Regierungstruppen seit 2014 gegen Separatisten, die von Russland unterstützt werden. Nach UN-Schätzungen sind seither rund 13 200 Menschen getötet worden.

Um eine Ausbreitung des hoch ansteckenden Coronavirus zu verhindern, informieren Mitarbeiter des Roten Kreuzes die Bevölkerung über Hygieneschutzmaßnahmen. An medizinisches Personal entlang der Frontlinie seien Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel verteilt worden. In der Ukraine gibt es bislang 84 nachgewiesene Infektionen. Die Ex-Sowjetrepublik schloss ihre Grenzen und schränkte den Personenverkehr im Land massiv ein. Bislang starben drei Frauen an der neuartigen Lungenkrankheit.

Maas warnt vor humanitärer Krise wegen Corona-Pandemie

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat angesichts der Coronavirus-Pandemie vor einer Verschärfung der humanitären Krise in der Ostukraine gewarnt. Das Coronavirus mache weder "an erdachten noch an echten Grenzen" Halt, sagte Maas am Dienstag nach einer Videokonferenz mit seinem ukrainischen Kollegen Dmytro Kuleba. Die Versorgung vor allem älterer Menschen an der Frontlinie in der Ostukraine mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern müsse sichergestellt werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. 

"Gerade jetzt" seien Fortschritte in den Friedensverhandlungen für die Ostukraine nötig, sagte Maas. Die Beschlüsse des Ukraine-Gipfels im Normandie-Format und des Minsker Abkommens müssten weiter umgesetzt werden. Wichtig seien humanitäre Übergänge zur Versorgung der Zivilbevölkerung in dem Konfliktgebiet, forderte der Minister. Die Regierung in Moskau rief er auf, ihren "Einfluss auf die Separatisten in der Ostukraine geltend" zu machen.

In der Ostukraine herrscht seit 2014 Krieg. Russland unterstützt in dem Konflikt die prorussischen Separatisten, welche in Lugansk und Donezk sogenannte Volksrepubliken ausgerufen haben. Mehr als 13.000 Menschen wurden in dem Konflikt bereits getötet.

In der Videokonferenz mit Kuleba sei es auch um koordinierte Maßnahmen der Ukraine und Deutschlands in der Corona-Krise gegangen, sagte Maas. Beide Seiten seien der Auffassung, dass "wir neben den nationalen Maßnahmen, die derzeit getroffen werden, noch mehr internationale Kooperation brauchen". Das Coronavirus sei eine "globale Herausforderung", der "nicht nur mit nationalen Antworten" begegnet werden könne.

Die Ukraine habe Deutsche, die wegen der Corona-Krise nach Deutschland zurückkehren wollten, unterstützt, betonte Maas. "Ich kann genauso zusichern, dass wir uns um jeden ukrainischen Bürger bemühen und ihn unterstützen werden, wenn er nach Hause zurückkehren will", fügte er hinzu.

Laut Kuleba unterstützte Maas auch die Bitte der ukrainischen Regierung, wonach die Bundesregierung im Rahmen ihrer Rückholaktion für deutsche Bürger auch Ukrainer nach Europa bringen soll. "Wir sorgen dafür, dass diese Bürger weiter in die Ukraine nach Hause kommen", sagte Kuleba. Es handele sich vor allem um Touristen in Lateinamerika.

Bei der Videokonferenz handelte es sich laut Maas um Kulebas "virtuellen Antrittsbesuch" in Deutschland. Kuleba war Maas von der deutschen Botschaft in Kiew aus zugeschaltet, die gemeinsame Presseerklärung der Außenminister wurde als Live-Schalte im Internet übertragen.