Draußen ist es stockdunkel. Und drinnen auch. Doch mit einem kräftigen Spritzer Weihwasser aus dem Rio Grande hat Pater Roy Snipes die Besucher seiner Morgenandacht aufgeweckt. Dicht an dicht drängen sie sich auf den wackligen Holzbänken der kleinen Kapelle, auf deren Altar zwei batteriebetriebene Lämpchen funzeln. „Es gibt einen Konflikt zwischen dem, was wir hoffen, und dem, was die Regierung will“, setzt der Priester zur Predigt an: „Aber lasst uns nicht gehässig werden!“ Da übertönt das laute Knattern eines Hubschraubers seine Worte. „Ah, unsere Schutzengel“, sagt er mit ironischem Lächeln.

Nach Meinung von Donald Trump haben die 50 Gläubigen den Beistand der Grenzpolizei in der Luft und am Boden dringend nötig. Nur ein paar Hundert Meter sind es von der La Lomita-Kapelle am Rande des südtexanischen Örtchens Mission bis zum Rio Grande. Auf der anderen Seite des Flusses, der durch eine subtropische Landschaft mäandert, liegt Mexiko. Vor vier Wochen war der amerikanische Präsident zum Frontbesuch ganz in der Nähe. „Es ist schlimmer, als es jemals war“, hat er düster orakelt: „Die Leute, die hier ins Land kommen, sind Kriminelle, Menschenschmuggler und Drogenhändler.“

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