Er soll der schönste Mann der Welt gewesen sein, ganz sicher jedoch galt er auf dem Höhepunkt seiner Karriere als bekanntester deutschsprachiger Filmschauspieler. Doch Alkohol- und Drogenexzesse sowie unzählige Affären forderten ihren Tribut. Am Mittwoch wird Helmut Berger 75 Jahre alt. Ausgelassen hat er nichts in seinem Leben. Berger ist das Gesicht der 1970er-Jahre – gutaussehend, blond, blauäugig, durchtrainiert. Er liebt Frauen und Männer, und sie lieben ihn. Berger ist Hedonist durch und durch, er ist Diva, Lebemann und Exzentriker in einer Person. Geboren wird der Mann, der Helmut Berger wird, im Jahr 1944 als Helmut Steinberger im österreichischen Bad Ischl. Seine Kinder- und Jugendjahre verbringt er in Salzburg, die Familientradition als Hotelier wird ihm bald zu eng.

Mit 18 Jahren flüchtet Berger nach London, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch und nimmt Schauspielunterricht. Ein Fotograf entdeckt ihn als Model, aber Berger, jung, schön, unstet, zieht weiter nach Perugia, um Italienisch zu lernen.

Bei Dreharbeiten in Volterra in der Nähe von Florenz lernt er 1964 Luchino Visconti kennen. Der Mailänder Starregisseur spricht den Jüngling an: „Da hat er sich in mich verguckt.“ Der 38 Jahre ältere Visconti machte den schönen Österreicher privat zu seinem Geliebten und beruflich zum Weltstar. „Für mich ist er der ausdrucksstärkste Schauspieler überhaupt“, beschreibt der Filmemacher seine Muse.

Der junge Salzburger sieht in Visconti den Mentor und die Vaterfigur. Später urteilt er: „Ich verdanke ihm alles.“ Der internationale Durchbruch gelingt Berger in der Rolle des pädophilen Industriellensohns Martin von Essenbeck in „Die Verdammten“. Die Darstellung bringt ihm eine Golden-Globe-Nominierung ein. Weitere Erfolge feiert er in den Visconti-Filmen „Ludwig II“ als schwuler Märchenkönig (1972) und in „Gewalt und Leidenschaft“ aus dem Jahr 1974.
Berger arbeitet auch mit anderen Regisseuren. Vittorio De Sicas „Der Garten der Finzi Contini“ wird mit einem Oscar als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet, in Massimo Dallamanos Literaturverfilmung „Das Bildnis des Dorian Gray“ gibt der extrovertierte Mime den Titelhelden.

Als Visconti stirbt, fällt Helmut Berger in ein tiefes Loch 

Berger spielt mit Elizabeth Taylor, Romy Schneider und Burt Lancaster, seine Rollen machen auch ihn zum Star. Als erster Mann überhaupt posiert er 1970 auf dem Cover der Vogue. Helmut Newton fotografiert ihn, Andy Warhol erstellt Siebdrucke mit seinem Konterfei. „Außer Helmut Berger gibt es heutzutage keine interessanten Frauen mehr“, stellt Regisseur Billy Wilder süffisant fest. Zudem sei es ein Jammer, dass Italiens bester Schauspieler aus Österreich stamme. Seinen 30. Geburtstag feiert Berger in Hotpants und hohen Stiefeln im römischen Nachtclub Jackie O. Nach eigener Aussage hat er in dieser denkwürdigen Nacht ebenso Sex mit Bianca wie mit ihrem Mann Mick Jagger. Das Kokain schnieft er durch einen goldenen Strohhalm von Bulgari. 

Erotische Abenteuer will Berger auch mit Rudolf Nurejew, Britt Ekland, Ursula Andress, Nathalie Delon, Elizabeth Taylor und Jerry Hall gehabt haben. Rückblickend sollen es mehr als 3000 Liebhaberinnen und Liebhaber gewesen sein, behauptet jedenfalls Berger, der nie verlegen ist um die Ausschmückung der eigenen Legende.

Als Visconti 1976 stirbt, stürzt Berger in ein tiefes Loch und sein Stern beginnt zu sinken. An Viscontis erstem Todestag unternimmt er einen Suizidversuch, wird aber gerettet. Er tritt in B-Movies auf und arbeitet fürs Fernsehen. Danach sorgt er vor allem durch Negativschlagzeilen für Gesprächsstoff: Berger – der lebende Skandal. Das „Enfant terrible“ soll in einem Flugzeug randaliert haben, vor TV-Kameras gibt es Wutausbrüche. 1998 erscheint seine Autobiografie „Ich“, während eines Interviews mit dem Magazin Stern soll er angeblich einem Fotografen ins Gesicht geschlagen und danach einen Fotoassistenten sexuell belästigt haben. Schließlich habe er sogar sein Gemächt hervorgeholt.

Helmut Berger will sich von gesundheitlichen Rückschlägen erholen 

In Thomas Gottschalks „Sixties Zeitreise“ kreuzt er 2010 stark alkoholisiert auf, 2012 bepöbelt er in der Talkrunde von Markus Lanz die anderen Gäste. Schließlich torkelt er 2013 vor dem Abflug ins australische Dschungelcamp sturzbetrunken zum Terminal, bereits nach zwei Tagen muss der aufgeschwemmte Berger das Camp verlassen.

Aber dann kriegt er vielleicht doch noch die Kurve. 2014 sitzt ein deutlich frischerer Helmut Berger wiederum in der Talkrunde von Lanz, mit straff gebräuntem Gesicht und schlanker Erscheinung.

Offenbar hatte sich Berger für den Film „Saint Laurent“ in der Rolle des gealterten Modedesigners Yves Saint Laurent mit frisch getönten Haaren „aufhübschen“ lassen. Anfang 2018 gibt er mit 73 Jahren an der Volksbühne Berlin sein Bühnendebüt.

Auch von gesundheitlichen Rückschlägen der letzten Monate will sich die Schauspielikone am Geburtstag nicht unterkriegen lassen. „Er ist sehr motiviert, wieder gesund zu werden“, teilt sein Manager Helmut Werner mit. „Ich war zu schwach zum Gehen und zum Sprechen“, resümiert Berger. Und beinahe philosophisch meint er: „Im Alter haben Erinnerungen denselben Stellenwert wie in der Jugend die Träume.“