Ein glückliches neues Jahr! Ohne Rechtsextremismus und Verschwörungstheorien! 
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BerlinMagisches Denken hat Konjunktur zum Jahreswechsel. Ich glaube, jeder hat sich selbst schon mal dabei ertappt, sich ganz, ganz doll etwas zu wünschen, die Augen zuzukneifen dabei, weil der Wunsch so vielleicht besser in Erfüllung geht. Wenn es darum geht, drücke ich uns allen die Daumen! Für Gesundheit, Liebe und Glück im neuen Jahr!

In gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen ist es meist besser, ohne magisches Denken auszukommen. Zum einen, weil Vernunft hier allemal besser ist als Irrationalität. Und zum anderen, weil die Hasser mit Sicherheit mehr Energie aufwenden, denn den Hasspegel hochzuhalten, kostet viel Kraft. Ich jedenfalls möchte mich nicht in den Wettbewerb irrationalen Denkens mit Demokratiefeinden begeben müssen. Deswegen bin ich auch nicht so gut mit Prognosen für das neue Jahr.

Jahreswechsel auch Zäsur in magischer Welt

Wir wissen nicht, wie es werden wird, es ist noch zu gestalten. Was wir wissen, ist, dass es vermutlich nicht leichter wird als das vergehende. Weil der Jahreswechsel, der diesmal auch ein Jahrzehntwechsel ist, auch nur eine Zäsur in der magischen Welt ist und in der realen lediglich ein Datum mit Feiertagen drumrum. Der Jahreswechsel ist eine Verabredung, gemeinsam Bilanz zu ziehen über ein Stück Zeit, das hinter uns liegt, und eine Vermutung darüber, wie es weitergeht.

Nun, das letzte Jahr war hart. Der Mord an Regierungspräsident Lübcke, der antisemitische Anschlag von Halle haben uns erschüttert. Ebenso die Erkenntnis, wie viele Rechtsextremisten bereit und bewaffnet sind. Das Schlimmste aber ist, dass Menschenhass und Rechtsextremismus nun so offensichtlich zum Teil des deutschen Mainstreams und sogar in den Parlamenten zum Alltag gehören.

Das wird auch nach dem Jahreswechsel so sein, dazu braucht es kein magisches Denken oder eine Glaskugel. Und dass diese Leute weiter versuchen werden, zivilgesellschaftliche Institutionen zu bekämpfen, ist auch klar. Welche Mittel sie dabei anwenden, ist ebenso wenig ein Geheimnis wie die Art ihrer Diffamierungen gegenüber der liberalen und offenen Gesellschaft. Besonders auf der kommunalen Ebene wird es kompliziert. Rechtsradikale drängen in Entscheidungspositionen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.

Keine Kaffeesatzleserei

Das wird die Arbeit zu Menschenrechten nicht leichter machen. Diese Leute würden als erstes den Artikel 3 des Grundgesetzes, der die Gleichstellung aller Menschen gebietet und ihre Diskriminierung verbietet, am liebsten streichen. Wenn sie könnten. Um das zu wissen, braucht es keine Kaffeesatzleserei. 2019 war nicht nur ein Jahr der Bedrohung und des anwachsenden Rechtsextremismus. Der Schutz der liberalen Demokratie war noch nie ein so lebensnahes Thema wie auf den zahllosen Veranstaltungen und Demonstrationen überall in Deutschland.

Die Leute wehren sich gegen den Rechtsextremismus. Sie wollen kein rassistisches Gift in ihrer Umgebung und keinen hysterischen Wahn von einer Weltverschwörung der Juden. Deswegen Dank an alle, die klar bleiben und nicht aufgeben. Und bleibt zu wünschen? Gegenseitige Solidarität. Ja, das ist gut! Und zwar mit gedrückten Daumen, von ganzem Herzen und in Blei gegossen! Es mag magisches Denken sein, aber es hilft ganz bestimmt. Ein gutes, gesundes und wenn es irgendwie geht, ein fröhliches neues Jahrzehnt Ihnen allen!