Berlin/Köln - Der CDU-Abgeordnete Detlef Seif aus dem Kreis Euskirchen (NRW) hat am Donnerstag im Bundestag das komplette Schmähgedicht von Jan Böhmermann zitiert und sich damit den Unmut anderer Abgeordneter zugezogen.

In der Debatte um den Paragrafen 103 im Strafgesetzbuch, der die Beleidigung ausländischer Staatsvertreter ahndet, hatte der Rechtsanwalt aus Weilerswist mit seinem Vortrag für Irritationen im Bundestag gesorgt. So mahnte Bundestagsvizepräsidentin Edelgard Bulmahn (SPD), dass man berücksichtigen müsse, dass man im deutschen Parlament sei und man das auch bei Zitaten nicht völlig vergessen sollte. Renate Künast (Grüne) fragte, was Seif geritten habe, sie sei „sehr peinlich berührt für dieses Haus, dass Sie den Text verlesen haben“. Sie halte das Gedicht weder für klug noch besonders kunstvoll, es sei aber eingebettet in einen Satirebeitrag und dürfe daher nicht einzeln betrachtet werden.

Weil Seif das Gedicht komplett vorgetragen hat, war es auch im Fernsehen zu sehen, außerdem wird es in den Bundestagsprotokollen nachlesbar sein. Seif wollte nach eigener Aussage die fragwürdige Qualität der Satire verdeutlichen. Der FDP-Politiker Tobias Huch stellte einen Auszug der Rede als Video auf seine Facebook-Seite.

Für den Urheber des Gedichts, Moderator Jan Böhrmermann, war das natürlich ein gefundenes Fressen. Er ließ sich zu bissigen Kommentaren über Detlef Seif auf Twitter hinreißen. Außerdem sollte es nicht die schlechteste Werbung für seine erste Ausgabe des „Neo Magazin Royale“ (Donnerstag, 22.15 Uhr, ZDFneo, bereits ab 20.15 Uhr in der Mediathek) nach der selbst auferlegten Pause sein.

Das Schmähgedicht gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte Böhmermann Ende März in seiner Sendung vorgetragen, um zu zeigen, wann die Grenzen zur Satire überschritten seien. Das ZDF hatte es anschließend aus der Mediathek entfernt. Gegen Böhmermann wird nun wegen Majestätsbeleidigung ermittelt.

Der CDU-Abgeordnete Seif ist bereits vor fünf Jahren im Fernsehen aufgefallen. Er war von Reportern des ARD-Magazins „Panorama“ zum Euro-Rettungsschirm befragt worden. Er hatte, nachdem er sich in der Antwort verrannt hatte, das Fernsehteam gebeten, ob es „da mal einen Cut machen könne“. Die ARD strahlte diese Frage mit aus und stellte den CDU-Mann bloß. Anschließend beschwerte der sich darüber, dass der Beitrag ihn und seine Kollegen, die ebenfalls lückenhaft geantwortet hatten, vorführen sollte.