Berlin - Arye Sharuz Shalicar war Mitglied einer kriminellen Jugendgang in Berlin-Wedding. Dann Soldat der Bundeswehr – Studium – Sprecher der israelischen Armee – Buchautor. Graffiti, Prügeleien und Raub gehörten zum Alltag seiner Straßengang. Zu ihr kam der 1977 geborene und in Wedding aufgewachsene Sohn iranischer Juden als Jugendlicher in den 90er-Jahren. Er gründete auch die berüchtigte Graffitibande Berlin Crime. Obwohl er zu den Gangs gehörte, war er dort und in der Schule immer wieder den antisemitischen Attacken und Beleidigungen seiner Mitschüler und Gang-Kumpels ausgesetzt.

Es seien jedoch muslimische Freunde gewesen, die ihn vor Antisemiten beschützten, sagt er heute. „Es war halbe-halbe. Die einen wollten mir mein Leben kaputtmachen. Und sie hätten mich getötet, wenn sie gekonnt hätten. Die anderen waren meine engen Freunde – vor allem Türken, aber auch Kurden und Libanesen. Darunter waren auch Leute aus dem berüchtigten Al-Zein-Clan.“

„So ein Leben wollte ich nicht mehr führen“

Für die Deutschen sei er „Kanake“ gewesen, für die Moslems „ein Jude“ und für die Juden „ein Krimineller“ aus dem Wedding, sagt er. „So ein Leben wollte ich nicht mehr führen.“

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Arye auf dem Beifahrersitz, zusammen mit einem Kumpel in den 90er-Jahren in Wedding

Arye Sharuz Shalicar legte sein Abitur ab und absolvierte eine Grundausbildung bei der Bundeswehr. Er lernte Hebräisch und wanderte 2001 nach Israel aus, wo er seinen Pflichtdienst in der israelischen Armee leistete. An der Hebräischen Universität Jerusalem studierte er Internationale Beziehungen, Nahostgeschichte und Politik und schloss 2009 mit Auszeichnung ab.

Bei der israelischen Armee stieg er zum Major auf

Danach ging er zurück zum Militär, wo er als offizieller Sprecher der israelischen Armee zum Major aufstieg. Seit etwa vier Jahren arbeitet er im Büro des Ministerpräsidenten. Im Mai, als Israel aus dem Gazastreifen mit Tausenden Raketen angegriffen wurde, war er wieder Sprecher der „Israel Defence Forces“ und Ansprechpartner für die deutschsprachigen Medien. „Und wenn wir wieder angegriffen werden, dann ziehe ich mir wieder die Uniform an“, sagt der Reservist.

Außerberuflich betätigt er sich als Publizist und ist Gastautor für verschiedene Medien. 2010 brachte Shalicar sein Buch „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ heraus. Der Film zum Buch soll diesen Sommer starten. 2018 veröffentlichte er das Buch „Der neu-deutsche Antisemit – Gehören Juden heute zu Deutschland?“

Im Oktober 2021 soll ein weiteres Buch erscheinen: „100 Weisheiten, um das Leben zu meistern, selbst wenn man aus dem Ghetto stammt.“