Berlin - Die Bundeswehr schildert den Vorfall bislang so: Ein Bundeswehr-Hubschrauber des Typs Tiger sei gegen 12.20 Uhr Ortszeit (also 14.20 Uhr deutscher Zeit) am Mittwoch 70 Kilometer nördlich der malischen Stadt Gao abgestürzt. Zwei deutsche Soldaten seien an Bord gewesen. Den Absturz habe die Besatzung eines zweiten begleitenden Hubschraubers gemeldet. „Es wurde kein Notruf durch die verunglückte Besatzung abgegeben. Der abgestürzte Hubschrauber ist ausgebrannt. Es gab keine Überlebenden“, sagte der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr, Joachim Rühle.

Die Absturzursache stehe noch nicht fest. Allerdings werde nicht von einem Abschuss ausgegangen. Im Soldatendeutsch klang das so: „Hinweise auf eine Fremdeinwirkung liegen bisher nicht vor.“

Von der Leyen eilt zurück nach Berlin

Neben Rühle stand mit ernster Miene Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Während eines Besuchs in der Bundeswehr-Kaserne im bayerischen Pöcking hatte sie die Nachricht erhalten. Der Besuch endete aprupt, von der Leyen fuhr zurück nach Berlin.

Mittlerweile ist ein Team von Bundeswehr-Prüfern nach Mali geflogen, um die Absturzursachen zu untersuchen. Das Hubschrauberwrack wird untersucht. Auch Psychologen sind dabei, die die Soldaten vor Ort über ihre Arbeitsbelastung fragen werden. Knapp 900 deutsche Soldaten sind im Rahmen der Uno-Mission Minusma in Mali stationiert.

Islamische Extremisten etwa von Al Kaida haben das Land destabilisiert, durch Anschläge und die zeitweise Besetzung des nördlichen Landesteils. Auch andere Rebellengruppen sind Teil der Kämpfe. Französische Truppen haben versucht, die Terrorgruppen zurückzudrängen. Die Uno überwacht mit rund 13 000 internationalen Soldaten die Stabilisierung. Die Bundeswehr hat dabei Aufklärungsflüge und –patrouillen übernommen, sie hilft auch bei der Evakuierung Verletzter.

Der Einsatz gilt als der gefährlichste Auslandseinsatz der Bundeswehr und wegen der zuweilen extrem hohen Temperaturen als sehr belastend. Bisher war er für die deutschen Soldaten glimpflich verlaufen. Koalitionspolitiker bezeichneten den Einsatz am Donnerstag als weiterhin sehr sinnvoll.

Ursachenforschung zieht sich lange hin

Eine Aufklärung der Absturzgründe kann sich nun nach Einschätzung von Verteidigungsexperten Tage, Wochen oder sogar Monate hinziehen. „Die Bandbreite der möglichen Ursachen ist riesig“, heißt es. Neben technischen Problemen und einem Pilotenfehler sei auch eine Kollision mit einem Vogel denkbar.

Es handele sich „wohl um einen technischen Defekt“, sagte SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold den Deutschlandfunk. Es müsse nun geklärt werden, ob die Hubschrauber ein serienmäßiges Problem hätten oder ob es sich um einen dramatischen Einzelfall handele. Die hohen Temperaturen als Ursache werden in der Bundeswehr bislang ausgeschlossen – auch wenn die Bundeswehr die Einsatz-Grenzwerte für den Einsatz in dem heißen Land über den Maximalwert des Herstellers von 43 Grad nach oben geschraubt hat. Am Unglückstag sei es in Mali mit 36 bis 37 Grad relativ kühl gewesen – und die Betriebsgrenzwert bei weitem nicht erreicht. Sabotage an den Hubschraubern wird in der Bundeswehr für relativ unwahrscheinlich erachtet. Die Flugzeuge seien sehr gut bewacht.

Von der Leyen tief getroffen

Irritierend ist dennoch, dass ein UN-Sprecher in New York kurz nach Bekanntwerden des Absturzes davon sprach, der Hubschrauber sei über ein Gelände geflogen, in dem es am Boden Auseinandersetzungen gegeben habe. Im Verteidigungsministerium wird diese Darstellung, die auf einen Abschuss hindeuten könnte, strikt zurückgewiesen. Die Piloten seien von Gebieten mit Kämpfern noch gut 70 Kilometer entfernt gewesen.

Ministerin von der Leyen sagte, die zwei Soldaten hätten „im Dienst für unser Land ihr Leben gegeben haben“. Sie sei tief getroffen und „unendlich traurig“.