Der Mann bleibt Daheim

Klappt es mit der Vereinbarkeit zwischen Beruf und Privatleben so wie Sie es sich vorgestellt haben?

Es klappt, aber es ist ein Spagat, den eben sehr viele Familien erleben. Auch ich bin auf eine Schule mit Hortplatz für meinen Sohn angewiesen. Mein Mann ist jetzt in Elternzeit, nur so können wir Beruf und Familie so vereinbaren, dass beide für die Kinder da sind. Ich versuche, einmal in der Woche einen Homeoffice-Tag einzulegen, damit auch mein Mann den Kontakt zur Firma nicht verliert. Ich vermisse meine Familie, wenn ich in Berlin bin. Und gleichzeitig sehe ich mich gerade in Zeiten wie diesen in der Pflicht, den einen oder anderen Termin mehr zu machen.

Ihr Mann nimmt Elternzeit. Das ist zwar nicht mehr unüblich, aber längst noch nicht gesellschaftlich anerkannt. Wird Ihr Mann schief angesehen, weil er ein Jahr lang seinen Beruf  nicht ausübt?

Das hat zunächst keine Begeisterungsstürme in seinem Unternehmen ausgelöst. Zwischenzeitlich sind die Reaktionen durchweg positiv. Es ist wichtig, dass es Väter gibt, die klar machen, dass sie auch Zeit mit ihrer Familie verbringen möchten.

Väter haben es immer noch schwer, das durchzusetzen.  Das ist noch lange nicht selbstverständlich.  Es gibt aber immer mehr junge Väter, die es eben anders machen wollen als ihre eigenen Väter. Ihnen reicht der Gute-Nacht-Kuss am Abend nicht. Moderne Familienpolitik muss den Fokus auf Mütter und Väter legen. Väter sind keine Mütter zweiter Klasse. Ich kenne kein Unternehmen, das Pleite gegangen ist, weil  Väter in Elternzeit gegangen sind.

Stellen Sie sich manchmal die Frage, was noch für Sie selbst übrig bleibt?

Ja, aber die Zeit mit Kindern geht so schnell vorbei. Die Zeit, in der ich auf der Terrasse Bücher lesen kann, kommt wieder. Ich bin sehr froh, dass ich eine Familie habe und einen Beruf. Und ich finde, man darf sein Glück auch nicht überfordern.

Wollen Sie als Familienministerin Vorbild sein und zeigen, wie  die Vereinbarkeit zwischen Karriere und Beruf funktionieren kann?

Für mich war immer klar, dass ich Kinder will - und einen Job haben möchte. Das haben wir natürlich privat entschieden und nicht, weil wir ein Vorbild sein wollen. Das, was ich politisch vertrete, will ich natürlich auch selbst leben. Alles andere wäre unglaubwürdig. Das ist auch das, was immer mehr junge Paare wollen. Es muss die Vereinbarkeit geben, aber es muss auch Zeit für die Familie da sein. Das ist auch der Ansatz der Familienarbeitszeit und des Familiengeldes.