Berlin - Das erste Mal war ich mit krass vulgären, gewaltvollen Aussagen konfrontiert, als ich für „Auf Klo“ vor der Kamera stand. Ich glaube, es ging um Damenbart. Damals habe ich jeden Kommentar gelesen, was gar nicht gut war. Danach habe ich in der Bahn jeder Person in die Augen geguckt und gedacht „Das könntest du sein“.

Manche nehmen sich sogar die Zeit, mich in Direktnachrichten sexuell zu belästigen, mir Dick-Pics, Mordandrohungen, Gewaltandrohungen zu schicken. Was mich beschäftigt, sind die „Wenn ich dich mal auf der Straße sehe, dann ...“ – Formulierungen. Manche bieten in Kommentarspalten auch Geld für private Adressen. Vor solchem Doxing habe ich definitiv Angst. 

Volkmar Otto
Zur Person

Maria Popov ist Journalistin. Unter anderem moderiert sie „Auf Klo“, ein Format des öffentlich-rechtlichen Jugendnetzwerks Funk und das Projekt „Mitreden“ auf TikTok. Die 28-Jährige bekommt Hass, seit sie sich privat und öffentlich in digitalen Netzwerken bewegt.

Nach einem queerfeministischen Projekt auf TikTok gab es die größte Hasswelle, die ich je aushalten musste. Sogar E-Mails haben mich erreicht. Und sehr große YouTuber haben dazu aufgerufen, diese Videos zu boykottieren, mit Formulierungen wie „löscht euch“.

Ich habe da heute eine berufliche Distanz. Ich lese diese Kommentare nicht mehr. Ich weiß, dass das nicht mein Fehler ist, sondern eine Diskriminierungsform gegen Frauen. Ein Teil davon ist Täter-Opfer-Umkehr, wie der Vorwurf, man sei eine Männerhasserin, wenn man feministischen Journalismus macht. Und als Person des öffentlichen Lebens bin ich gebrandmarkt. Wenn ich als Privatperson Dinge teilen wollte, könnte ich das nicht. Das ist ein Kontrollverlust. Ich habe nie daran gedacht, mich deshalb zurückzuziehen. Aber ich spreche mit Menschen darüber, wie sie es schaffen, sich eine Zukunft mit diesem ganzen Hass vorzustellen. Der wird ja nicht weniger.

Imanol Fernandez
Digitale Gewalt

Doxing, Cybermobbing, Hassnachrichten – digitale Gewalt nimmt zu. Warum sind oft Frauen und LGBTIQ die Zielscheibe? Was steckt dahinter? Wie kann man Betroffene unterstützen? Diese und weitere Fragen werden wir in dieser Themenwoche beantworten.

Früher haben Fernsehmoderatoren mal ein paar Briefe bekommen. In sozialen Medien erleben wir das zu tausendst. Ich arbeite nur in Projekten, in denen es Geld für die Moderation von Kommentaren gibt. Ich muss mich darauf verlassen können, dass ich mit empathischen Menschen arbeite, etwa weil sie auch solche Erfahrungen machen. Sonst kommt schnell der Vorwurf, man arbeite aktivistisch. Sätze wie „Wenn du online bist, dann musst du das doch aushalten“.

Aufgezeichnet von Antonia Groß