Berlin - Personalquerelen sind die hässlichste Begleiterscheinung des politischen Niedergangs. Die FDP kann davon ein langes, qualvolles Lied singen, die Piraten nun auch. Die Kontroverse um ein Interview ihrer letzten großen Hoffnungsträgerin, der ehemaligen Geschäftsführerin Marina Weisband, kommt für die Partei zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Eine Insa-Umfrage sieht sie gerade noch bei drei Prozent - dem aufsehenerregenden Aufstieg folgt ein ebenso dramatischer Absturz.

Was ist da nun schon wieder passiert? Weisband, die sich Anfang 2012 aus der aufreibenden Arbeit an der Parteispitze zurückgezogen hatte, gab dem "Spiegel" ein Interview über ihr mögliches Comeback. Nach Erscheinen des Artikels beschwerte sie sich allerdings heftig darüber, falsch zitiert worden zu sein. Die "Spiegel"-Journalistin wies ihrerseits diese Vorwürfe zurück. Der Streit zwischen beiden hat im Netz großes Aufsehen erregt.

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Wer von beiden Recht hat, ist schwer zu sagen, es steht Aussage gegen Aussage. Sicher ist jedoch, dass die Piratenpartei jetzt vor einem noch höheren Scherbenhaufen steht. Weisband, die vermutlich beste Werbeträgerin, über die die Partei je verfügt hat, hat noch weniger Lust zur einer Spitzenkandidatur als vorher. Und täte sie es doch, sie wäre schon beschädigt, bevor sie überhaupt angetreten ist.

Ponader klebt

Erst vorige Woche hatten die beiden Vorstandsmitglieder Julia Schramm und Matthias Schrade aus Verzweiflung über den Umgang in der Partei ihren Rücktritt erklärt. Schramm stand auch in der Kritik, weil sie ihr Buch mit dem Titel „Klick mich“ nicht frei verfügbar ins Netz gestellt hatte. Ihr Verlag hatte mit Schramms Zustimmung eine kostenlose Kopie des Buches im Internet sperren lassen, obwohl die Piraten sich in der Politik für ein Recht auf kostenlose Kopien von Musik und Büchern einsetzen.

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Die einen gehen, der andere bleibt: Johannes Ponader, der im April Weisbands Nachfolger als Geschäftsführer der Piraten wurde, klebt trotz der massiven Kritik aus den eigenen Reihen am Amt. Ponader sei absolut nicht teamfähig und behindere durch Alleingänge die Vorstandsarbeit, schrieb Matthias Schrade in seiner Rücktrittserklärung. „Ich würde mir wünschen, dass Johannes seine Konsequenzen aus der regelmäßig von allen Kollegen vorgebrachten Kritik zieht“, fügte er hinzu. Doch gerade dieser Pirat denkt überhaupt nicht an Rücktritt.

Und so kommt es, dass die Piraten, deren Siegeszug durch die Parlamente noch vor einem halben Jahr unaufhaltsam erschien, sich im Eiltempo zerlegen. Schon im Oktober rutschten sie in den Umfragen unter die Fünf-Prozent-Grenze, jetzt sieht sie das Meinungsforschungsinstitut Insa nur noch bei drei Prozent. „Die Piraten haben sich selbst versenkt und beim Abstieg sogar die FDP überholt", sagte Insa-Chef Hermann Binker der Bild-Zeitung.