BerlinKaum ein Tag vergeht derzeit, ohne dass der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Schlagzeilen macht. Mal fordert er eine ausgeweitete Maskenpflicht, mehr Durchgriffsrechte für die Bundesregierung, dann beanstandet er die Corona-Warn-App. Er will als der wichtigste Krisenmanager des Landes wahrgenommen werden. Wann immer die Kanzlerin Angela Merkel etwas sagt, versucht er es mit noch drastischeren Worten zu steigern. 

Redet sie von „drohendem Unheil“, steht bei ihm gleich der „zweite Lockdown“ ins Haus. Es ist, als würde er von München aus die ganze Republik dirigieren und erziehen. Es passt für bayerische Provinzpolitiker immer gut, auf die „Saupreißn“ – heute also Berliner – zu schimpfen und zum Beispiel ihren angeblichen Kontrollverlust in Sachen Corona zu brandmarken. Das war vergangene Wochen, als die Zahlen vor allem in Neukölln stiegen.

Es ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass Söder gerne ins Kanzleramt möchte, auch wenn er das öffentlich bisher nur andeutungsweise sagt. Und sein Auftreten in den vergangenen Wochen wirkt, als wolle der Ministerpräsident sich als Kanzler per Akklamation ausrufen. Als würde der beste Krisenmanager automatisch der beste Regierungschef.

Doch zum Glück gibt es in der Bundesrepublik noch ein paar andere Gremien und Regularien: die CDU zum Beispiel, deren neuer Vorsitzender über eine Kanzlerkandidatur entscheiden müsste, und auch darüber, ob er dies der CSU überlässt. Nicht zuletzt entscheidet der Wähler im nächsten Jahr.

Und bei der Frage nach der Eignung sollte man vielleicht auch drauf schauen, wie erfolgreich Markus Söders Krisenmanagement wirklich ist. In Bayern gab es mehr Todesfälle durch Covid-19 als in Nordrhein-Westfalen, obwohl NRW mehr Einwohner hat. Die Massentestungen an der Autobahn, auch so eine aktionistische Idee, endeten im Chaos. Anfang der Woche hat Berchtesgaden in Bayern Neukölln als Hotspot mit den meisten Neu-Infektionen abgelöst.

Vielleicht redet Söder auch immer so viel von anderen, um von sich selber abzulenken?