Markus Söder (M.) bei der Vorstellung der Biografie von Arnim Laschet mit den Autoren Tobias Blasius (l.) und Moritz Küpper.
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BerlinEs gibt eine ungeschriebene Regel: Wer in Deutschland Kanzlerkandidat werden will, braucht eine zum richtigen Zeitpunkt veröffentlichte Biografie, und sie sollte von im Politikbetrieb respektierten Journalisten geschrieben sein. Das gilt besonders bei traditionellen Parteiengebilden wie CDU/CSU. Eigene Bücher zählen nicht, sorry, Friedrich Merz. Armin Laschet, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und der Favorit im Rennen um den Chefposten, hat nun eine eigene Biografie.

Sie trägt den etwas gequält klingenden Titel „Der Machtmenschliche“ und wurde geschrieben von den Journalisten Tobias Blasius und Moritz Küpper. Ausgerechnet der bayerische Ministerpräsidenten Markus Söder stellt sie vor, das war ein schöner PR-Coup für den Verlag Klartext. Während ein paar Kilometer östlich die Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Deutschen auf den kommenden Pandemieherbst einschwört und mahnt, sitzt Söder mit übergeschlagenen Beinen auf der Bühne des gut gefüllten Meistersaals in Kreuzberg und denkt schon mal über den Winter hinaus. Laschet selbst ist nicht dabei, er besucht an diesem Morgen den Papst. Und in der Tat, ausschließlich auf bayerische Unterstützung sollte er sich nicht verlassen.

Söder und Laschet waren in den vergangenen Monaten als Konkurrenten aufgebaut worden: hier der Mann aus NRW, der nach dem Lockdown auf Öffnungen drängte, und dort der Mann aus Bayern, der sich als harter, unnachgiebiger Krisenmanager inszenierte, während das Virus in seinem Land wütete. Glaubt man Umfragen, wünschen sich die Deutschen eher Söder als Kanzlerkandidat. Aber die Deutschen entscheiden das nicht, sondern nur ein Teil von ihnen, die CDU. Sie haben eine gute Arbeitsbeziehung, sagt Söder im Meistersaal knapp. Auf Nachfrage des Moderators ergänzt er, er habe „den Armin“ nie unterschätzt. Ihm habe imponiert, dass er die Wahlen in NRW gewonnen hat. 

Die Fakten, die die Autoren zusammengetragen haben, dienen Söder dazu, um sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken. Söder macht das sehr geschickt und überaus freundlich. Er lobt Laschet für seinen Humor, sein Heimatbewusstsein. Es klingt, als rede er über einen Oberbürgermeister. Armin Laschet, so schreiben es die Autoren, hat offenbar zuerst mit seinem Pfarrer besprochen, ob er für den CDU-Vorsitz kandidieren soll. „Ich würde das eher mit meiner Frau besprechen“, sagt Söder. Arnim Laschets Schreibtisch quelle mit Akten, Büchern, Kuchenkrümeln über, Söders Schreibtisch muss aufgeräumt sein. Bei Söder herrscht Ordnung. Laschet sagt von sich, er ist oft der, der am Ende übrig geblieben ist, der Kompromisskandidat. Söder beschreibt sich selbst als den, der gegen alle Widerstände kämpfen musste. Es formt sich ein Bild, auch wenn man darauf achtet, was Söder nicht sagt. Laschet wolle „auf jeden Fall“ CDU-Vorsitzender werden, „und er traut sich auch die Kanzlerkandidatur zu“, sagt Söder. Ob Söder sie ihm zutraut, dazu sagt er nichts.

Und Söders eigene Ambitionen? Da wird seit Monaten spekuliert und jeder Halbsatz analysiert. Das weiß auch Markus Söder, weswegen man davon ausgehen kann, dass er sich jede Aussage gut überlegt. Auf die Frage, ob er Ambitionen auf das Kanzleramt habe, sagte er bisher stets, dass sein Platz in Bayern sei. Diesmal variierte er etwas: Er wolle tun, was gut für Bayern ist und für Deutschland. Außerdem betonte er, wie sehr ihm an einem guten Verhältnis zwischen CDU und CSU gelegen sei. Im Dezember nach der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden müsse man sich zusammensetzen und entscheiden, was für beide Schwesternparteien gut sei, meinte er. Die nächste Wahl werde ein „Wimpernschlagfinale“, mit drei womöglich ähnlich starken Parteien, CDU/CSU, Grünen und SPD. Söder hat schon vorgedacht.