In der Klinik von Fort Worth (Bundesstaat Texas) stellten die Ärzte im November eine Lungenembolie bei Marlise Muñoz fest und leiteten sofort alle lebensverlängernden Maßnahmen ein. Ein normaler Vorgang im medizinischen Alltag, die Eltern der Frau wünschten allerdings wenig später den Tod ihrer Tochter, weil sie für hirntot erklärt worden war. Die Ärzte weigerten sich, weil die Frau im vierten Monat schwanger war. Der Fall, der für eine landesweite Debatte über Sterbehilfe in den USA sorgte, ist jetzt beendet: Der Ehemann Erick Muñoz teilte CNN zufolge mit, dass die Ärzte auf eine gerichtliche Anordnung hin die Beatmungsgeräte abgestellt hätten.

Die New York Times traf es korrekt, als sie über eine „eigenartigen Kollision“ juristischer, medizinischer und ethischer Fragen klagte, als sie über den Fall berichtete. Bei ihrer Einlieferung war die Frau in der 14. Schwangerschaftswoche. Die Ärzte im John-Peter-Smith-Hospital wollten das ungeborene Leben schützen und später in der 22. oder 23. Woche entscheiden, ob die Frau das Kind bis zum Ende der regulären Schwangerschaft in ihrem Bauch behalten oder ob es früher per Kaiserschnitt geholt werden sollte.

Ihren Angehörigen zufolge wollte Marlise Muñoz nie lediglich von medizinischer Technologie am Leben gehalten werden. „Es geht nicht darum, ob wir für das Leben sind. Es geht darum, dass der Wunsch unserer Tochter vom Bundesstaat Texas nicht gewürdigt wird“, zitierte die Zeitung die Mutter der Hirntoten. „Ich bin wütend auf den Bundesstaat. Was hat er für ein Recht, sich in diese Angelegenheit einzumischen?“, fragte der Vater.

Die Ärzte hielten dagegen. „Wir kämpfen nicht gegen die Familie Muñoz“, sagte eine Sprecherin des Krankenhauses. „Wir handeln nach dem Gesetz.“ Das Krankenhaus berief sich dabei auf ein Gesetz in Texas, das es verbietet, bei Schwangeren lebenserhaltende Maßnahmen zu kappen. Nach Angaben der New York Times gibt es in 31 der 50 US-Bundesstaaten genau diese Gesetze, die Befugnisse von Ärzten einschränken, bei todkranken Schwangeren lebenserhaltende Maßnahmen zu beenden. Texas gehöre zu den zwölf Staaten mit den stärksten Restriktionen für die Ärzte.

Der Ehemann und die Eltern der Frau verwiesen auf Untersuchungen bei Marlise Muñoz, die ergeben hatten, dass der Fötus der Hirntoten schwer deformiert sei. Sie reichten Klage ein.

Ein Richter entschied dann am Freitag, dass Marlise Muñoz sterben dürfe. Er setzte dem Krankenhaus eine kurze Frist bis Montagabend (Ortszeit), die künstliche Beatmung einzustellen. Zur Begründung sagte er der New York Times zufolge, dass die Patientin aus rechtlicher Sicht bereits tot sei, damit könne sie keine Patientin mehr sein. Daher habe das entsprechende Gesetz zum Schutz des Fötus für diesen Fall keine Gültigkeit.

Am Sonntagvormittag (Ortszeit) gab eine Kliniksprecherin bekannt, dass die Ärzte der Anordnung folgen würden, am Montag wurden dann die Nachricht verbreitet, dass die Geräte abgeschaltet seien. Der Ehemann berichtete dann im Fernsehen vom Tod seiner Frau. (dpa)