Berlin - Sein Vater sei ein Mann von Manieren und ausgesprochener Höflichkeit, sagt der Satiriker Martin Sonneborn. Und: „Mein Vater verfügt über einen dunklen Anzug.“

Martin Sonneborn ist Bundesvorsitzender der Partei „Die Partei“ und hat als solcher bei den letzten Europawahlen sogar ein Mandat in Brüssel errungen. Nun schlägt er gemeinsam mit den Piraten seinen eigenen Vater Engelbert Sonneborn für das höchste deutsche Staatsamt vor.

Schiffer fordert Direktwahl des Bundespräsidenten

Die Idee sei, sagt der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Patrick Schiffer bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Kandidaten im Berliner Ensemble, „eine Bühne zu geben, um zu zeigen, was für eine Farce die Kandidatenkür von Frank-Walter Steinmeier ist“.

Der frühere Außenminister steht bekanntlich schon vor dem Zusammentreten der Bundesversammlung praktisch als neuer Bundespräsident fest, da sich Union und SPD schließlich nach monatelangem Ringen hinter verschlossenen Türen auf Steinmeier verständigt haben. „Wir fordern eine Direktwahl des Bundespräsidenten“, sagt Schiffer.

Kein Bundespräsident unter 40 Jahren

Der Satiriker Sonneborn beschreibt ausführlich den Kandidaten-Auswahlprozess, den „Die Partei“ und die Piraten gemeinsam vorgenommen hätten. Die erste Wahl sei Murat Kurnaz gewesen, also der Mann, den Steinmeier nicht aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo herausholte.

Doch Kurnaz sehe wegen der Jahre als Insasse dort älter aus, als er sei. Kurnaz sei noch keine 40, dürfe deshalb laut Grundgesetz nicht Präsident werden. Ebenfalls sei es leider nicht gelungen, einen zweiten Kandidaten zu finden, der Frank-Walter Steinmeier heißt – obwohl man sich damit in der Bundesversammlung gute Chancen ausgerechnet hätte.

Vater spricht erst, sobald er im Amt ist

So fiel also die Entscheidung für den eigenen Vater, Engelbert Sonneborn. Aber was sagt der eigentlich dazu? Nichts. Der Kandidat, der nach Angaben seines Sohnes 79 Jahre alt ist, sitzt bei seiner eigenen Vorstellung schweigend zwischen dem Satiriker und Schiffer. Martin Sonneborn betont: „Mein Vater wird erst sprechen, wenn er im Amt ist, also wenn er dafür bezahlt wird.“

Aber ist der Mann, der da – mal staatstragend ernst schauend, mal lächelnd – auf der Bühne sitzt überhaupt wirklich Sonneborns Vater? Ja, beteuern Sonneborn und Schiffer – nicht nur während der Pressekonferenz, sondern auch im Gespräch danach.

Nur Teil einer gelungenen Satire

Es sei auch ein ganzes Stück Arbeit gewesen, den Mann vom Mitmachen zu überzeugen. Eine der Bedingungen des Vaters soll gewesen sein, sich öffentlich nicht äußern zu müssen.

Wie der Präsidentschaftskandidat da steht, einen Luftballon in der Hand hält und sich mit Erwachsenen wie auch mit Kindern fotografieren lässt, ist es einem auch fast egal, ob er wirklich der Vater des Satirikers ist. Bundespräsident wird er ohnehin nicht. Dafür ist er Teil einer gelungenen Satire – die, je nach Lage der Dinge, noch eine Wendung mehr oder weniger hat.