Berlin - Während die PARTEI noch schlief, hat ihr GröVaZ am Montag schon ordentlich gearbeitet. Martin Sonneborn (49), eben jener Größte Vorsitzende aller Zeiten, ist jetzt nämlich Abgeordneter des Europaparlaments. Und als solcher gibt man montags nach einer Wahl Interviews. Also erläuterte Sonneborn der Deutschen Presse-Agentur  seine Agenda. „Ich werde mich vier Wochen lang intensiv auf meinen Rücktritt vorbereiten“, kündigte der einstige Chefredakteur der Satirezeitschrift Titanic an.

„Wir werden versuchen, monatlich zurückzutreten, um 60 Parteimitglieder durchzuschleusen durch das EU-Parlament“, sagte der Journalist, der auch als Reporter der „heute show“ des ZDF im Einsatz ist. Damit könne sich jedes Mitglied einmal für 33.000 Euro im Monat Brüssel anschauen, zurücktreten und noch sechs Monate lang Übergangsgeld beziehen. „Wir melken die EU wie ein kleiner südeuropäischer Staat.“

Noch keinen Tag im neuen Amt, hat der Mitbegründer der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (PARTEI) schon ein wesentliches Ziel seiner Kandidatur erreicht: die medienwirksame Persiflage der etablierten Politik mit dem Mittel der Realsatire. Dabei kommt es nicht so sehr auf die Wahrheit an, es reicht, Bestandteile derselben aufzuspießen.

Also summiert er  den Betrag, den Europaabgeordnete tatsächlich verdienen  (ca. 13.000 Euro) mit jenem, der ihnen zur Beschäftigung von Mitarbeitern zusteht, den sie aber selber nie in die Hand bekommen (ca. 20.000), macht zusammen empörende 33.000. Übergangsgeld bekommen nur Abgeordnete, die mindestens ein Jahr im Parlament waren, und dann auch nur für einen Monat. Ansonsten besteht das Wahlprogramm, mit dem DIE PARTEI zur Europawahl angetreten ist, aus der Einführung der Faulenquote, eine Million Existenzmaximum pro Person und ein Wahlalter zwischen 12 und 52. „Partei“-Frontmann Martin Sonneborn twitterte dennoch unter Verweis auf seine Initialen: „Die Partei erzielt 0,5% (ZDF)? Wir sind Wahlsieger! Europa ist reif für ein MS-Regime... Smiley!“ Schon vor der Wahl hatte Sonneborn gesagt: „Wir ziehen mit Sex und Hitler in diesen Wahlkampf.“

Ernsthafte  Betrachter der Politik können sich furchtbar aufregen über solche Mätzchen, wie sie die „heute show“ mit großem Erfolg jeden Freitagabend zeigt. Mit solcher Häme werde Politikverdrossenheit produziert und nicht bekämpft, lautet ihrer Kritik.

Das Problem ist: Gute Satire trifft und ist doch als solche zu erkennen. In Zeiten zunehmenden, internetgeförderten  Halb- bis Viertelwissens  aber nehmen viele die Satire für bare Münze, sie glauben schlicht, was sie da sehen und hören.  Die Kritik am politischen System durch Überzeichnung seiner Mechanismen kann so eine durchaus undemokratische Wirkung entfalten. In einem  hat Martin Sonneborn gewiss Recht:  „Ich glaube nicht, dass wir die Verrücktesten sind im Europaparlament.“ Aber die Witzigsten eben doch. Für die, die sie verstehen.