Berlin - Es gab selten Auftritte in der vergangenen Zeit von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, bei denen Zuversicht das Wort der Stunde war. Am Dienstag war es so weit – einmal, weil das RKI die Gefahrenlage für Deutschland nach sechs Monaten von „sehr hoch“ auf „hoch“ heruntergestuft hat. Aber auch, weil die Inzidenzen bundesweit sinken.

„Das kann ein richtig guter Sommer werden“, sagte Spahn.  Auch beim Impfen gehe es voran – momentan seien 18 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Bis Mitte Juli sollen 80 Prozent der Menschen ein Impfangebot erhalten haben – auch damit die Bundesnotbremse, die am 30. Juni ausläuft, nicht mehr angezogen werden muss. Vieles hängt allerdings davon ab, ob genügend Impfstoff vorhanden ist. Jüngst erst hatte Biontech Lieferprobleme angekündigt. Laut Spahn soll das Unternehmen aber zwischen Juni und August 50 Millionen Dosen liefern.

Kritik an Corona-Impfungen für Kinder und dem digitalen Impfpass

Bei aller Zuversicht Spahns – die Kritik an der Corona-Politik reißt nicht ab. Nach der EU-Zulassung des Corona-Impfstoffes von Biontech für 12- bis 15-Jährige sprechen sich jetzt auch Haus- und Kinderärzte gegen eine generelle Impfung für diese Altersgruppe ab dem 7. Juni aus. Man solle erst die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) kommende Woche abwarten, die bereits im Vorfeld Bedenken wegen möglicher Risiken für Kinder und Jugendliche geäußert hatte.

Manche befürchten ebenso, dass weitere ehrgeizige Ziele nicht umgesetzt werden können – beispielsweise beim digitalen Impfnachweis, der Ende Juni kommen soll und sich derzeit auch in Berlin in der Testphase befindet. Der Allgemeinmediziner Erik-Delf Schulze aus Pankow sagte zur Berliner Zeitung: „Ich halte es für ausgeschlossen, dass der digitale Impfausweis bis Ende Juni funktioniert. Die Logistik steht dafür nicht einmal annähernd. Es gibt auch noch keinen konkreten Plan oder eine Software seitens der Kassenärztlichen Vereinigung für dieses Projekt.“

Berliner Arzt über den Impfpass: Wir können das nicht stemmen

Für die Praxen wäre die Ausstellung eines digitalen Impfausweises außerdem eine weitere enorme bürokratische Belastung. Der Arzt: „Die Impfungen gegen Corona belasten unsere reguläre medizinische Arbeit bereits über das Limit. Wir müssten jede Impfung zunächst manuell in ein Programm eingeben, um dann den QR-Code zu generieren.“ Er bevorzuge daher den gelben Impfpass. Der Mediziner: „Allgemeinmediziner sind nicht das Passamt. Ich bin für die Lösung, den Pass in den Apotheken oder den Impfzentren auszustellen.“