Ein Demonstrant läuft eine in Rauch gehüllte Straße entlang. Bei den Demonstrationen gegen die geplante Rentenreform in Frankreich ist es zu Ausschreitungen gekommen. Zahlreiche Gewerkschaften hatten im Konflikt um die geplante Rentenreform zu den branchenübergreifenden Streiks aufgerufen.
Foto: Thibault Camus

ParisFrankreichs Präsident Emmanuel Macron ist mit den größten Protesten seiner Amtszeit konfrontiert: Mehr als 450.000 Menschen gingen am Donnerstag in rund 50 Städten gegen seine Rentenreform-Pläne auf die Straße, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP aufgrund der Angaben von Polizei und Präfekturen ergab. Die Gewerkschaft CGT sprach zusätzlich von 250.000 Demonstranten alleine in Paris. Das sind deutlich mehr Demonstranten als auf dem Höhepunkt der „Gelbwesten“-Krise vor einem Jahr. Zugleich legte ein Generalstreik das öffentliche Leben in Paris weitgehend lahm.

Von der Präfektur gab es vorerst keine offiziellen Teilnehmerzahlen zu der Pariser Demonstration, deshalb ist sie in der AFP-Zählung noch nicht berücksichtigt. Die Angaben der Gewerkschaften liegen traditionell deutlich über denen der Polizei.

Die größten Demonstrationen außerhalb von Paris gab es den Behörden zufolge in Toulouse, Marseille und Lyon mit jeweils mehreren zehntausend Teilnehmern. Für die Gewerkschaften sind die Massenproteste ein Erfolg: Ihrem Aufruf folgten deutlich mehr Menschen als dem der „Gelbwesten“. Im November 2018 waren auf dem Höhepunkt der Sozialproteste offiziell rund 282.000 Menschen gegen Präsident Macron auf die Straße gegangen.

Vereinzelt noch Gelbwesten zu sehen

Am Rande der Pariser Kundgebung kam es am Donnerstag zu Ausschreitungen: Schwarz gekleidete Vermummte zündeten einen Bauwagen und Mülleimer an und warfen Fensterscheiben ein, wie AFP-Journalisten am Donnerstag berichteten.

Die Polizei setzte Tränengas ein. Der Fernsehsender BFM-TV sprach von mindestens 500 Gewaltbereiten in Paris. Vereinzelt waren unter den Randalierern auch Menschen in gelben Warnwesten zu sehen.

Die Ausschreitungen ereigneten sich in der Nähe des Platzes der Republik. Dorthin wollte der zentrale Demonstrationszug der Gewerkschaften ziehen, er musste wegen der Gewalt jedoch anhalten. Zehntausende Menschen hatten zuvor friedlich gegen Einschnitte bei den Renten und für mehr soziale Gerechtigkeit demonstriert.

Auch in anderen französischen Städten wie Nantes, Bordeaux und Lyon kam es vereinzelt zu Zusammenstößen von Vermummten mit den Sicherheitskräften. Das Innenministerium hatte vor Krawallen von Anhängern des „Schwarzen Blocks“ und „radikalen Gelbwesten“ gewarnt. In Paris waren 6000 Polizisten im Einsatz.