Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Corona-Krise hat die Menschen weiterhin im Griff, Strom und Gas werden teurer und auch die Lebensmittelpreise steigen. Für viele Familien bedeutet das, den Gürtel noch enger zu schnallen.

Da klingt es etwas sonderbar, dass gerade jetzt Cem Özdemir als neuer Bundeslandwirtschaftsminister das Essen zum Luxusgut erheben möchte und es mit Autos gleichsetzt, die seiner Meinung nach mehr wertgeschätzt werden. Manchmal habe er das Gefühl, ein gutes Mineralöl sei uns wichtiger als ein gutes Salatöl. Daher dürfe es für  Lebensmittel keine Ramschpreise mehr geben, sagte er jüngst. 

Da kann man nur entgegnen: Falscher Zeitpunkt, Herr Özdemir. Heute schon sind Lebensmittel für viele Luxusgut. Vor allem für 13,4 Millionen Menschen, die in Deutschland von Armut betroffen sind.  

Es ist natürlich dringend notwendig, eine Landwirtschaft umzubauen, die jahrzehntelang unter anderem auf Massentierhaltung und Legehennen-Batterien gesetzt hat. Immer mehr Menschen wissen, dass es mit der Tierhaltung so nicht weitergeht und handeln danach. Genauso wie zunehmend Bürgerinnen und Bürger ihren Beitrag zum Klima- und Umweltschutz liefern. Viele wollen sich auch gesünder ernähren. Doch das muss auch bezahlbar sein. Manche Menschen können für ein Salatöl mit Bio-Qualität eben keine 18 Euro ausgeben, sondern höchsten drei Euro.

Özdemir wird es als Landwirtschaftsminister nicht leicht haben. Er muss einen Spagat Tierschutz versus Armut hinbekommen. Wenn ihm das gelingt, ist das löblich. Taktisch unklug aber ist es, mit erhobenem Zeigefinger die Menschen auf gesündere Lebensgewohnheiten zu trimmen und ihnen noch ein schlechtes Gewissen einzureden. Oder mit Özdemierschen Vorschriften das Dicksein zu reduzieren, indem Fertigprodukte weniger Zucker enthalten sollen. Der Grünen-Minister kann und sollte sich für mehr Gesundheit einsetzen, aber die Zeche darf nicht nur der Verbraucher zahlen.