Berlin - Früh zur Vorlesung, mittags in die Bibliothek, abends für die vielen Prüfungen lernen – Studenten sind heutzutage immer häufiger von krankmachendem Dauerstress betroffen. Mehr als jeder fünfte Student leidet mittlerweile einmal im Jahr an einer psychischen Störung. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2015 der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Nach dem Bericht, für den die Gesundheitsdaten der rund 200.000 bei der TK versicherten Studenten ausgewertet wurden, stieg der Anteil der angehenden Akademiker mit derartigen Problemen gegenüber der letzten Untersuchung aus dem Jahre 2009 um fast fünf Prozent. Das seien erschreckende Zahlen, sagte TK-Vorstandschef Jens Baas bei der Vorstellung der Daten. Die Probleme der Studenten sind allerdings zum Teil hausgemacht.

Laut Gesundheitsreport sind weibliche Studierende stärker von psychischen Problemen betroffen als ihre männlichen Mitstudenten. Den Daten zufolge wird bei drei von zehn Studentinnen mindestens einmal im Jahr eine psychische Störung diagnostiziert. Bei männlichen Studierenden ist diese Rate mit 15  Prozent dagegen nur halb so hoch. Zu den häufigsten Erkrankungen gehören Depressionen, Anpassungs-, Belastungs- und Angststörungen.

Vier Prozent bekommen Antidepressiva

Rund 4,3 Prozent der Studierenden nehmen den Angaben zufolge Hilfe durch Psychotherapeuten in Anspruch. Knapp vier Prozent der Studenten bekämen Antidepressiva verordnet, 43 Prozent mehr als noch 2006. Laut Gesundheitsreport nehmen die Belastungen mit steigendem Alter zu. Bis 26 Jahre bekämen Studierende seltener Antidepressiva verschrieben als ihre berufstätigen Altersgenossen, erklärte der Studienautor Thomas Grobe. „Dann steigt das Volumen bei den Hochschülern deutlich stärker und ab 32 bekommen Studierende beider Geschlechter etwa doppelt so viel verschrieben wie die Erwerbspersonen.“ Es sei beunruhigend, dass der Stress von vielen Studierenden nicht mehr alleine bewältigt werden könne, so der TK-Vorstandschef Baas.

In einer zusätzlich durchgeführten Umfrage unter Studenten im Auftrag der TK  klagten 55 Prozent der angehenden Akademiker über regelmäßigen Stress. Die Hälfte der Studentinnen und vier von zehn Studierenden litten unter stressbedingter Erschöpfung. Zu den wichtigsten Auslösern gehörten nach den Angaben der befragten Studenten Prüfungen (52 Prozent), der Lernstoff (28 Prozent), die Doppelbelastung von Studium und Jobben (26 Prozent), die Angst vor schlechten Noten (26 Prozent) oder keinen Job zu finden (23 Prozent) und finanzielle Sorgen (20 Prozent).

Abschalten fällt schwerer

„Die Stressfaktoren unterscheiden sich gar nicht so sehr von denen früherer Generationen. Aber das Abschalten fällt der Generation Smartphone schwerer“, erklärte TK-Chef Baas.  Sie hätten Probleme, sich zu konzentrieren, wenn die Ablenkung etwa durch soziale Netzwerke nur einen Mausklick entfernt sei. Laut Umfrage lässt sich jeder zweite von digitalen Medien ablenken, wenn eigentlich gelernt werden soll. Offenbar falle es den Studierenden von heute schwer, die Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu finden, mutmaßte Baas.  Die Fähigkeit, in Stresssituationen Höchstleistungen abzurufen und in Ruhephasen entspannen zu können, sei jedoch extrem wichtig. „Deshalb sollten die angehenden Akademiker lernen, wie der eigene Körper entspannt und regeneriert“, forderte er.