Marco Wanderwitz (CDU), Ostbeauftragter der Bundesregierung, möchte die ostdeutsche Wirtschaft kri­sen­re­sis­tent und zukunftsfähig machen.
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BerlinSeit Februar ist Marco Wanderwitz (CDU) Ostbeauftragter der Bundesregierung. Eines seiner ersten Projekte seit seinem Amtsantritt ist der 1. Ostdeutsche Wachstumstag, der am Dienstag in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin stattfand. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es nach wie vor große strukturelle wirtschaftliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland, denen Wanderwitz durch seine Initiative entgegenwirken will. „Die ostdeutsche Wirtschaft ist wesentlich kleinteiliger aufgestellt als die westdeutsche“, sagte Wanderwitz bei der Eröffnung, „Keines der 30 deutschen Dax Unternehmen hat seinen Firmensitz in Ostdeutschland.“ Ziel seiner Initiative sei es, das zu ändern. „Wir möchten ostdeutsche Unternehmen ermutigen, zu wachsen“, so Wanderwitz.

Dafür hat er das Projekt „Dialog Unternehmen wachsen“ ins Leben gerufen, das eine Vernetzung von ostdeutschen Unternehmen anregen soll. Firmen, die eine besondere Wachstumsstrategie entwickelt haben, treten bei regionalen Unternehmertreffen von 20 bis 30 Unternehmen als Impulsgeber auf und beschreiben, wie sie einzelne Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Unternehmenswachstum bewältigt haben. Somit können andere Unternehmen Anregungen und Einblicke erhalten. Langfristiges Ziel ist dabei eine Cluster-Bildung, also eine dauerhafte Kooperation verschiedener Unternehmen der gleichen Branche.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer tiefen Krise. Für Ostdeutschland erwartet das ifo Institut im Jahr 2020 einen Einbruch der Wirtschaftsleistung von 5,9 Prozent. Der massive Konjunktureinbruch trifft vor allem konsumnahe Dienstleister sowie die Industrie. Für das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland insgesamt prognostiziert das ifo Institut einen Rückgang von 6,7 Prozent. Für den Ostbeauftragten ist „noch nicht abschließend geklärt“, ob Ostdeutschland stärker oder weniger stark von der Corona Krise betroffen ist als Westdeutschland. Er vermutet, dass exportorientierte Unternehmen, die vor allem in den alten Bundesländern angesiedelt sind, stärker mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie konfrontiert sind.

Strukturelle Schwachpunkte ostdeutscher Unternehmen sieht Wanderwitz vor allem in einer geringen Eigenkapitalquote, die die Liquidität in Krisenzeiten gefährde. Durch „eigene Finanzierungsquellen“ will der Bundesbeauftragte die ostdeutsche Wirtschaft krisenresistenter machen. Ein weiteres Anliegen ist die Gewinnung von qualifizierten Arbeitskräften, die aufgrund der demografischen Situation in Ostdeutschland erschwert würde: „Wir brauchen qualifizierte Zuwanderung“, betonte Wanderwitz. Viele Unternehmen in Ostdeutschland zeichneten sich durch eine „relativ alte Belegschaft“ aus, hingegen gebe es nur „selten Unternehmen, die jung sind“.

mit Diversifizierung und Digitalisierung in die Zukunft 

Am 1. Ostdeutschen Wachstumstag an Wanderwitz Seite: Dr. Jürgen Ude, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt. Ude will im Sinne einer „private public partnership“ eng mit Unternehmen kooperieren, die Gründerszene in Sachsen-Anhalt unterstützen sowie in Zukunftstechnologien wie E-Mobilität und Künstliche Intelligenz investieren. Durch steuerlich unterstützte Forschungsförderung möchte der Staatssekretär eine engere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft anregen, mit dem Ziel, dass sich mehr Unternehmen, die technologische Innovation vorantreiben, in Sachsen-Anhalt ansiedeln. Zudem gelte es, laut Ude, den Strukturwandel im Sektor Braunkohle zu organisieren, der angesichts des beschlossenen Kohleausstiegs 2038 vor dem Aus steht. Für die Region Lausitz hatten Bund und Länder dafür 7,3 Millionen Euro bereitgestellt.

Um die ostdeutsche Wirtschaft nach vorne zu bringen setzt Marco Wanderwitz auf zwei Schlagworte: Diversifizierung und Digitalisierung. „Wir müssen in den Zukunftsmärkten wachsen“, erläuterte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, „Dafür brauchen wir mehr so große innovative Fabriken wie die von Tesla in Brandenburg“. Laut dem CDU-Politiker sei es entscheidend „mit Endprodukten am Markt zu sein“, da bisher zu viele ostdeutsche Unternehmen in der Mitte von Wertschöpfungsketten angesiedelt seien, beispielsweise als Zulieferer in der Automobilindustrie. Wie genau Wanderwitz die strukturellen wirtschaftlichen Differenzen zwischen den neuen und alten Bundesländern angleichen will, blieb beim 1. Ostdeutschen Wachstumstag aber weitestgehend vage.