Vorläufige Endstation Parkplatz: Familie Limprecht aus Freiburg.
Foto: Privat

MadridSoweit alles ganz gut“, sagt Naemi Limprecht am Telefon. Die 23-jährige Grafikdesignerin aus Freiburg bewahrt ihre gute Laune. Vor ein paar Tagen war sie noch besorgter: Da hing sie gemeinsam mit ihrem Vater vor der Grenze nach Ceuta fest. Seit Mittwoch stehen sie mit ihren Autos auf einem Parkplatz nahe dem Hafen Tanger-Med. Dort gibt es Toiletten, Essens- und Getränkecontainer und einen Gesundheitsposten. Damit müssen die Limprechts wahrscheinlich die kommenden Wochen leben. Aus Marokko ist jedenfalls kein Rauskommen mehr.

Wahrscheinlich heißt die Lösung: ausharren

Das Auswärtige Amt in Berlin schreibt: „Wir beobachten die Lage an der marokkanisch-spanischen Grenze genau. Unsere Botschaften in Madrid und Rabat stehen in engem Kontakt mit den EU-Partnern vor Ort und den spanischen sowie marokkanischen Behörden, um eine Lösung zu finden.“ Wahrscheinlich heißt die Lösung: ausharren. Die Grenze zum spanischen Ceuta ist seit der Nacht zum Sonntag geschlossen. Für alle. Und die marokkanischen Häfen sowieso.

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Die Limprechts waren am 19. Februar über Tanger-Med in zwei Autos nach Marokko eingereist. Am 12. März schloss die marokkanische Regierung wegen der Coronavirus-Epidemie alle Fährhäfen, da waren Vater und Tochter gerade in Sidi Ifni ganz im Süden des Landes. Irgendwann erfuhren sie, dass es noch das Schlupfloch Ceuta gebe. An diesem Sonntag, dem 22., kamen sie dort an und reihten sich in eine lange Schlange wartender Wohnmobile ein. Bekannte von ihnen kamen noch durch. Danach war dicht.

Die Stimmung unter den Heimkehrern, die nicht heimkehren durften, war schlecht, berichtet Limprecht. Am Mittwoch ging es unter marokkanischer Aufsicht im Konvoi zum Parkplatz nahe Tanger-Med. Da stehen jetzt Hunderte Wohnmobile, geordnet einer neben dem anderen, die meisten aus Frankreich, ein paar Dutzend aus Deutschland und der Schweiz. Gerüchteweise gibt es in der Gegend noch zwei oder drei andere Parkplätze mit gestrandeten Marokko-Urlaubern. Es sind möglicherweise mehrere Tausend Menschen, die aus dem Land nicht mehr rauskommen.

Volker (56): „Ich gehöre hier zu den Jungen“

Die Marokkaner – Polizisten, Sicherheitsleute, Soldaten – bemühen sich, den Gestrandeten ihren Aufenthalt möglichst angenehm zu gestalten. Die meisten haben kein marokkanisches Bargeld mehr. Mit einem Passierschein dürfen sie in den Nachbarort Ksar es-Seghir fahren, um dort bei der Bank Geld aus den Automaten zu ziehen oder umzutauschen. Es bleibt die Furcht vor dem Virus. Naemis Vater Volker ist 56 Jahre alt, „und ich gehöre hier zu den Jungen“, sagt er. Niemand will sich dieser Tage anstecken. Am wenigsten auf einem Parkplatz fern der Heimat.