„Greta und ich“-Kolumne.

MUTTER: Offenbar ist schon Wahlkampf. Olaf Scholz steht als Kanzler bereit – wen würdest du denn wählen?

TOCHTER: Die Grünen.

Überraschung, Überraschung … okay, warum?

Na, weil Klimaschutz das wichtigste Thema für mich ist. Und auch weil die Grünen im Vergleich zu allen Parteien vor allem CDU und SPD immer noch ein bisschen anders sind. Nicht so veraltet. Nicht so weit in der Mitte. Und sie halten an ihren Grundsätzen fest.

Ich finde ja, die Grünen sind im Vergleich zu ihren Anfängen ganz stark in die Mitte gerückt. Mit Turnschuhen in den Bundestag. Strickende Männer in der Bundestagssitzung, nur um zu zeigen, dass Männer das auch können. Gibt’s nicht mehr. Das Bunte ist verschwunden.

Ja, aber im Vergleich dazu ist ja jede Partei in die Mitte gerückt. Ich kann nur von dem ausgehen, was jetzt da ist. Und da finde ich die Grünen mit dem Umweltthema am besten, ansonsten noch die Linke, weil mir das Soziale sehr wichtig ist.

Und wenn jetzt eine der anderen Parteien einen tollen Spitzenkandidaten hätte?

Mir ist total egal, welche Person ich wähle, mir geht es um die Inhalte. Ich wünsche mir eine Partei, die sich für Bildung einsetzt, aber die sehe ich nicht. Mit den Namen und Gesichtern von Politikern kann ich absolut wenig anfangen, mit der Agenda und der Partei schon. Ist mir auch völlig egal, ob ein Mann oder eine Frau sich für mehr Klimaschutz einsetzt, eine gesicherte Rente oder irgendein anderes Thema. Warum sollte ich da einen Unterschied machen?

Kann ich absolut nachvollziehen. Ich denke nur, für viele Wähler wird es anders sein. Die meisten Wahlberechtigten sind übrigens im Rentenalter und das ist auch die größte Gruppe der Wähler bei allen Parteien mit Ausnahme der Grünen.

Die meisten wählen bestimmt auch immer die gleiche Partei, vor allem die Älteren. Gewohnheit. Und bei ihnen kommt es auch mehr auf die Person an. Was sie eben gewohnt sind: weiße, ältere Männer zum Beispiel und nicht bisexuelle, schwarze Frauen. Während mir das total egal ist. Die meisten Älteren wollen ’ne anständige Person, wie sie das sagen würden. Jemand, dem sie vertrauen. In der Jugend ist die Diversität viel größer und auch die Toleranz für alle Richtungen – in der Liebe wie auch im Lifestyle. Deswegen ist es auch egal, wer da vorne steht.

Na ja, stimmt das? Es gibt neue Denkverbote, die Sprache darf nicht rassistisch sein, Satire wird bewertet, es gibt aufgeregte Debatten in den sozialen Medien, es wird verboten, in dieser oder jener Richtung zu sprechen.

Das sind die über 30-Jährigen. Das sind keine jungen Leute.

Ach so? Na, es muss aber schon auch was mit den Themen zu tun haben, wo jemand sein Kreuz macht. Ältere haben ein höheres Sicherheitsbedürfnis. Für dich sind Zukunftsthemen am Wichtigsten. Du setzt aber bei allen Veränderungsforderungen voraus, dass die Wirtschaft weiter gut funktioniert.

Ja, ist natürlich eine Wohlstandsposition.