Washington - Die Rednerin schaute ein bisschen angestrengt auf den Teleprompter, und ihr amerikanisches Englisch hatte einen hörbaren Akzent. Aber an klaren Worten mangelte es in ihrem Grußwort nicht.

Die sozialen Medien seien Teil des Alltagslebens, „sie können viele positive Effekte haben. Aber sie können auch verletzend und zerstörerisch sein, wenn sie falsch genutzt werden“, mahnte Melania Trump am Montag bei einer Konferenz in Maryland vor den Gefahren des Online-Mobbings für Kinder.

„Die meisten Kinder sind sich der Vorteile und Fallstricke der sozialen Medien eher bewusst als einige Erwachsene“, erklärte die First Lady, ohne eine Miene zu verziehen. Es war, als hätte sie über ihren Mann gesprochen.

Melanias Mann, Präsident Trump, zeigt keinen Anstand im Netz

Kurz bevor Melania an diesem Morgen das Weiße Haus für ihren Auftritt verließ, hatte Donald Trump in einer Twitter-Tirade nämlich über den „blamierten und diskreditierten“ Sonderermittler Robert Mueller gewettert und dessen Untersuchung als „nationale Schande“ bezeichnet. Kaum hatte seine Frau das Podium verlassen, beleidigte Trump den Ex-Geheimdienstchef John Brennan als „schlechtesten CIA-Direktor aller Zeiten“.  Das war noch freundlich: Seine Ex-Mitarbeiterin Omarosa Manigault Newman nennt Trump bei Twitter neuerdings „verrückten Abschaum“ oder „Hündin“.

Es dauerte daher nicht lange, bis Melania Trumps Sonntagsrede eine Empörungswelle im Netz auslöste. Es gebe einen ganz einfachen Trick, das Online-Mobbing drastisch zu reduzieren, kommentierte ein Kolumnist der Washington Post: Sie müsse nur dazu aufrufen, den Twitter-Account von ihrem Ehemann zu schließen.

So geht das immer, wenn Melania Trump in der Öffentlichkeit erscheint. Lange hatte das Ex-Model kaum eigenes Profil gezeigt. Im Mai nun hat sie ihre Initiative „Be Best“ (Sei der Beste) gestartet, die sich um die Gesundheit, die Mediennutzung und den Drogenmissbrauch von Kindern kümmern soll.

Melania bekommt die Kritik an ihrem Mann ab

Doch gerade mal drei Termine hat sie seither dafür absolviert. Und immer steht ihr gleichermaßen dominierender wie polarisierender Ehemann als unsichtbarer Elefant im Raum. „Die First Lady ist sich der Kritik bewusst. Aber das wird sie nicht davon abhalten, das zu tun, was sie für richtig hält“, erklärte ihre Sprecherin Stephanie Grisham. Es klingt fast trotzig.

Tatsächlich kann man oft freilich nur erraten, was die 48-Jährige für richtig hält. Dass bei der Tagung über Internet-Mobbing der Ober-Troll im Weißen Haus mit keinem Wort erwähnt wurde, ist zumindest bemerkenswert. Im Juni reiste Melania Trump an die mexikanische Grenze, wo ihr Mann die Familien von illegalen Einwanderern auseinanderreißen lässt. „I Really Don’t Care, Do U?“ (Mir ist das wirklich egal, und Dir?)  stand auf dem Rücken ihrer Jacke.

Zwar fiel ein Tweet der First Lady zugunsten des von ihrem Mann bepöbelten schwarzen Basketball-Stars LeBron James etwas weniger kryptisch aus. Aber ein paar Tage später posierte Melania wieder freundlich lächelnd neben ihrem Gatten.

Krise bei den Trumps?

Entsprechend kontrovers wird die Rolle der First Lady in den USA diskutiert: Für die einen ist das Ex-Model aus Slowenien eine Mitläuferin, die sich in ihrem goldenen Käfig eingerichtet hat und dem polternden Autokraten im Weißen Haus ein hübsches Gesicht ausleiht. Die anderen wollen in ihrem Verhalten ein leises Aufbegehren erkennen und glauben, dass Melania nur wegen des gemeinsamen Sohnes Barron die Scheidung hinausschiebt.

Besonders herzlich geht es laut einem Insiderbericht der New York Times nach 13 Jahren skandalgeplagter Ehe bei den Trumps jedenfalls nicht mehr zu. Die Affären des Milliardärs sollen seine Frau sehr verärgert haben.

Umgekehrt hat er angeblich ihre modernen Möbel gegen pompöses Inventar im Stil des Sonnenkönigs Ludwig XIV. austauschen lassen. Ein gemeinsames Schlafzimmer gibt es schon lange nicht mehr, und auch bei Staatsbesuchen werden für das Präsidentenpaar zwei getrennte Suiten gebucht.

Melania will nach Afrika reisen

Demnächst nun will Melania Trump alleine auf Reisen gehen. Noch in diesem Jahr wolle sie Afrika besuchen, erklärte die First Lady. Dass sie „die reiche Kultur und Geschichte“ jener Staaten studieren will, die ihr Mann als „Drecksloch-Länder“ bezeichnet hat, mag man revolutionär oder zynisch finden. Besonders ausgereift scheint das Projekt der Reise aber noch nicht.

Dafür kommen die Vorbereitungen für ein anderes Ereignis zum Jahresende gut voran. „Die Planungen für Weihnachten im Weißen Haus laufen“, twitterte die First Lady kürzlich  zusammen mit einem Foto, auf dem sie sich in einem roten Designer-Kleid über Entwürfen für Christbaumschmuck beugt: „Ich hoffe, allen wird unsere Festtags-Dekoration für das Weiße Haus gefallen.“