Melania Trump, 50, hat ihr Schweigen seit dem gewaltsamen Sturm von den Anhängern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump am US-Kapitol gebrochen. In einer ausführlichen Erklärung, die am Montag auf der Website des Weißen Hauses veröffentlichte wurde, schreibt sie: „Ich bin enttäuscht und entmutigt über das, was letzte Woche passiert ist.“ Ob und wie der Anschlag auf das Parlament mit dem Gebaren ihres Mannes – etwa einer kurz zuvor gehalten Rede Trumps oder auch seiner exzessiven Twitterei – zusammenhängen könnte, erklärte die First Lady indes nicht.

Stattdessen findet sie eher allgemeine Worte. „Es ist erbaulich zu sehen, dass so viele eine Leidenschaft und Begeisterung für die Teilnahme an einer Wahl gefunden haben, aber wir dürfen nicht zulassen, dass Leidenschaft in Gewalt umschlägt.“ Dann wird Mrs. Trump etwas präziser: „Ich verurteile uneingeschränkt die Gewalt, die am Kapitol unserer Nation stattgefunden hat.“ Zudem drückt sie den Angehörigen der Toten ihr Mitgefühl aus, wobei sie zuerst die gestorbenen Teilnehmer des stürmenden Mobs nennt und dann erst die beiden Polizisten, von denen einer außerhalb des Dienstes starb.

Trump schlägt aber auch versöhnliche, wieder sehr allgemein gehaltene Töne an: „Unser Weg nach vorne besteht darin, unsere Gemeinsamkeiten zu finden und die freundlichen und starken Menschen zu sein, von denen ich weiß, dass wir es sind.“ Als Amerikanerin sei sie stolz darauf, dass es in den USA die Freiheit gebe, die eigenen Standpunkte äußern zu können, ohne Verfolgung fürchten zu müssen. Vor allem dürften unterschiedliche politische Standpunkte niemals die Grundlage für „Aggression und Bösartigkeit“ sein. Das klingt beinahe schon wie ein Vermächtnis.

„Melania Trump hat keinen moralischen Kompass“

Abschließend dankt sie noch den Millionen Amerikanern, die sie und ihren Ehemann in den vergangenen vier Jahren unterstützten. „Es war die Ehre meines Lebens, als Ihre First Lady zu dienen.“ Allerdings scheint sich die noch amtierende First Lady auch um ihr Vermächtnis zu sorgen, denn sie beklagt auch, dass es im Zusammenhang mit den Ereignissen am Kapitol „anzüglichen Klatsch, ungerechtfertigte persönliche Angriffe und falsche, irreführende Anschuldigungen“ gegen sie gegeben habe. Wiederum geht sie auf nähere Details nicht ein und nennt auch keine Namen.

Allerdings könnte Trump sich auf Stephanie Winston Wolkoff, 51, beziehen. Die ehemalige Vogue-Veranstaltungsplanerin und einstmals beste besten Freundin und engste Beraterinnen der First Lady hatte sich schon vor einiger Zeit von Trump abgewandt und wird seitdem nicht müde, gegen Melania schwere Vorwürfe zu erheben. In einem langen Gastbeitrag für das amerikanische Nachrichtenmagazin „The Daily Beast“ zerpflückt sie ihre einstige Freundin. Unter dem Titel „Da ist Blut an ihren Händen“ wirft sie Trump die Beteiligung an der „Zerstörung Amerikas“ vor.

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Stephanie Winston Wolkoff: „Das war ein Angriff auf unsere große Demokratie.“

Wolkoff erhebt Anklage: „Was wir alle seit dem Tag gesehen haben, an dem Donald J. Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wurde, ist kriminell. Und was ich seit seiner Wahl am 8. November 2016 persönlich erlebt habe, ist schockierend, schrecklich, entmutigend und beschämend. Jeder einzelne MAGA-Mob-Randalierer, der das US-Kapitol stürmte, tat dies ‚auf Anweisung und in Abstimmung mit‘ Präsident Trump. Das war ein Angriff auf das menschliche Leben und unsere große Demokratie. Leider schert das … unsere First Lady Melania Trump wenig – wenn überhaupt.“

Wolkoff zieht damit auch das Umfeld von Donald und Melania Trump zur Verantwortung: „Jeder um sie herum hat ihr Ego gestreichelt und geschürt, sie alle haben willfährig in die ganzen als Wahrheit verkleideten Lügen eingestimmt, auf die das Haus aus Spiegelwänden aufgebaut ist. Ich nehme mich persönlich dafür in die Pflicht, Melania erst möglich gemacht zu haben und mich von ihr im Namen unserer Freundschaft benutzt haben zu lassen. Ich kann nicht fassen, wie blind ich für die Abgründigkeit ihrer Täuschungen und ihren Mangel an allgemeinem Anstand war.“

Kaum verwunderlich, fällt das abschließende Verdikt gegen die First Lady vernichtend aus: „Melania weiß, wie man am besten von einem Teleprompter und nicht von seinem Herzen abliest. Sie und ihr Mann Donald haben keinen Charakter und keinen moralischen Kompass.“