Berlin - Ich weiß nicht mehr, wann ich zum ersten Mal gehört habe, dass der neue Teil-Lockdown zur Rettung des Weihnachtsfests dienen sollte. Ich glaube, es war Gesundheitsminister Jens Spahn, der so etwas Mitte Oktober formuliert hat. „Wir wollen Weihnachten für und mit der Familie möglich machen“, sagte er am 14. Oktober. Und es war, als hörte man im Hintergrund die Kirchenglocken läuten.

Danach haben das alle wiederholt, Angela Merkel, Armin Laschet, Markus Söder. Es ginge bei den neuen Einschränkungen darum, Weihnachten zu retten. Das klang, als würden sie mit Kindern reden. Seid jetzt schön brav, reißt euch zusammen, dann dürft ihr Weihnachten Omi umarmen. Es klang christlich, wie überhaupt in die politische Kommunikation ein seltsam religiöser Ton eingezogen ist. Die Pfarrerstochter Angela Merkel sprach am Donnerstag im Bundestag auch von einer „Prüfung“, die die Pandemie bedeute. Das klang nach Hiob, dem Gott Proben auferlegt, um seine Treue zu testen. 

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