Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht Anlass zu „ein wenig Hoffnung“ in der Corona-Krise, hält die Zeit für eine Lockerung der Schutzmaßnahmen aber noch nicht für reif. Merkel forderte am Freitag in ihrem wöchentlichen Podcast alle Bürger dazu auf, sich auch an Ostern und in den Ferien an die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Epidemie zu halten. Sie könne jetzt noch keine Stichtage für ein Ende der Anordnungen nennen. Dies wäre in der jetzigen Situation auch unverantwortlich, sagte sie. Ihre Regierung würde der Verantwortung nicht gerecht werden, „wenn wir jetzt falsche Hoffnungen wecken würden, indem wir Exit-Stichtage vereinbaren würden, die anschließend der Realität in keiner Weise standhalten würden“.

Sie versicherte aber, dass die Bundesregierung und sie persönlich alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Maßnahmen möglichst bald zurückfahren zu können. Derzeit stiegen aber die Infizierten-Zahlen noch zu stark an. Es stimme zwar, dass jüngste Zahlen des Robert-Koch-Instituts ein wenig Hoffnung machten. „Aber es ist definitiv viel zu früh, um darin einen sicheren Trend zu erkennen“.

„Das sind harte Wahrheiten, ich weiß“

Deshalb blieben alle Leitlinien für das reduzierte öffentliche Leben und für die Einschränkung der Kontakte unvermindert bestehen - zunächst bis einschließlich 19. April, dem Ende der Osterferien in den meisten Ländern. Wie es dann weiter gehe, hänge davon ab, „an welchem Punkt der Ausbreitung des Virus wir dann in Deutschland stehen und wie sich das in den Krankenhäusern auswirkt.“

Die Kanzlerin stimmte die Bürger in ihrer Videobotschaft auf ein Osterfest mit zahlreichen Einschränkungen ein: „Wir alle werden eine ganz andere Osterzeit erleben als je zuvor.“ Der Besuch des Gottesdiensts in der Kirche sei nicht möglich, der Osterspaziergang sei nur im engsten Kreis erlaubt, und auch Verwandtenbesuche und andere Kurzreisen könne es dieses Jahr nicht geben. „Das sind harte Wahrheiten, ich weiß“, sagte die Kanzlerin. „Wir sind gewöhnt, uns zu bewegen, etwas zu unternehmen, zu reisen, wann wir wollen und wohin wir wollen.“ Und nun seien da „plötzlich überall Regeln, Einschränkungen, Verbote“, sagte sie. „Aber sie sind buchstäblich lebenswichtig.“

Merkel sagte weiter, sie denke auch an die Juden und Muslime in Deutschland und alle anderen Gläubigen, die jetzt nicht in ihren Gotteshäusern zusammenkommen könnten. „Das ist eine dieser Einschränkungen, die wirklich an den Kern einer Gesellschaft gehen und die wir nur im Notfall und nur so lange wie unbedingt erforderlich hinnehmen können.“

„Meine häusliche Quarantäne ist vorbei, und mir geht es gut“

Deutschland stelle sich der Bewältigung der Pandemie - und „damit das weiter gelingt, brauche ich, das sage ich ganz offen, auch weiter Ihre Mithilfe - die Mithilfe, die Sie schon seit Wochen in so wunderbarer Weise geben“.

Die Kanzlerin nahm an diesem Freitag nach zweiwöchiger Corona-Quarantäne ihre Dienstgeschäfte im Kanzleramt wieder auf. „Ich bin froh, mich heute wieder aus dem Kanzleramt an Sie wenden zu können. Meine häusliche Quarantäne ist vorbei, und mir geht es gut. Jetzt ahne ich: 14 Tage allein zu Hause, 14 Tage nur am Telefon und im Netz mit der Welt verbunden zu sein, das ist nicht leicht.“