Angela Merkel und Emmanuel Macron.
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Paris/BerlinDie harschen Worte aus Paris liegen vielen Nato-Mitgliedsstaaten noch heute schwer im Magen. Anfang November, kurz vor dem Jubiläumsgipfel zum 70-jährigen Bestehen der Nato, hat der französische Staatspräsident Emmanuel Macron dem Militärbündnis das so ziemlich mieseste Zeugnis ausgestellt.

"Was wir derzeit erleben, ist der Hirntod der Nato", hatte Macron der britischen Zeitschrift "The Economist" in den Block diktiert. Es gebe "keinerlei Koordination bei strategischen Entscheidungen zwischen den USA und ihren Nato-Verbündeten".

Seitdem gab es viele Widerworte von den Partnern der Franzosen, auch von den Deutschen. Bundeskanzlerin Angela Merkel gab sich offiziell diplomatisch, als sie sagte, diese Worte hätte sie nicht gewählt. Hinter den Kulissen ist es jedoch offenbar deutlicher zugegangen als bislang bekannt.

Immer und immer wieder muss ich die Tassen zusammenkleben, die Sie zerbrochen haben, nur damit wir wieder beisammen sitzen und eine Tasse Tee trinken können.

Angela Merkel

Die „New York Times“ (NYT) berichtet, dass Merkel am Rande der Feier zum 30. Jahrestag des Mauerfalls Macron für seine "Hirntot"-Aussage zur Nato zur Rede gestellt haben soll.

Die Kanzlerin soll Verständnis gezeigt haben für Macrons Bedürfnis anzuecken. Allerdings hätte sie keine Lust mehr, seine Provokationen ausbaden zu müssen, soll Merkel Macron gesagt haben.

Wörtlich heißt es in einem Zitat in der NYT: „Aber ich bin es leid, ständig die Scherben aufzukehren. Immer und immer wieder muss ich die Tassen zusammenkleben, die Sie zerbrochen haben, nur damit wir wieder beisammen sitzen und eine Tasse Tee trinken können.“

Merkel und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatten die Aussage Macrons damals milder zurückgewiesen. „Ich glaube, ein solcher Rundumschlag ist nicht nötig, auch wenn wir Probleme haben, auch wenn wir uns zusammenraufen müssen“, hatte die Bundeskanzlerin gesagt.

Stoltenberg hatte schmallipig erklärt: „Die Nato ist stark.“