Merkel trifft Energie-Manager : Opposition kritisiert „Kungel-Runde“ im Kanzleramt

Berlin - Unmittelbar vor dem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Spitzenvertretern europäischer Stromkonzerne hat die Opposition der Regierung Geheimnistuerei und mangelnden Ehrgeiz in der Energiepolitik vorgeworfen. „Anstatt die akuten Probleme der Energiewende offensiv anzugehen, trifft sich Frau Merkel in alter Tradition hinter verschlossenen Türen mit den Betreibern von Kohle- und Atomkraftwerken“, sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer  der Berliner Zeitung. Er ergänzte: „Es ist richtig, die Energiewende mit den Nachbarländern zu koordinieren. Aber solche Geheimtreffen sind dafür der falsche Rahmen.“

Chefs von zwölf Energieriesen zu Besuch

Merkel empfängt an diesem Mittwochabend  im Kanzleramt in Berlin die Vorstandsvorsitzenden von zwölf europäischen Energie-Riesen. Eingeladen sind unter anderem die Chefs der beiden deutschen Branchengrößen RWE und Eon sowie die Lenker der Konzerne GDF Suez aus Frankreich, ENI aus Italien, OMV aus Österreich, Vattenfall aus Schweden und CEZ aus  Tschechien.  Neben der Kanzlerin wird die Bundesregierung durch Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sowie durch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) vertreten.

Kritik an „Distanzlosigkeit“ der Kanzlerin

In Regierungskreisen hieß es am Dienstag, mit dem Treffen wolle Deutschland unterstreichen, „dass die Energiewende auch eine europäische Dimension hat“. Anfang März kommen in Brüssel die EU-Energieminister zusammen. Der Frühjahrsgipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs am 20. und 21. März soll ebenfalls im Zeichen der Energiepolitik stehen.

Merkel hatte in der Vergangenheit schon  häufiger  Manager der Stromwirtschaft im Kanzleramt  empfangen.  Kritiker warfen ihr deshalb immer wieder Distanzlosigkeit zur Energiebranche vor. Bis zur Reaktor-Katastrophe  von Fukushima   im Jahr  2011 war Merkel erklärter Atomkraft-Fan. Danach machte sie den von ihr betriebenen Ausstieg aus dem Atomausstieg wieder rückgängig und erklärte die Energiewende zum nationalen Projekt. Nach dem Treffen am Mittwoch sind keine öffentlichen Stellungnahmen geplant.