Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich am Rande der Bundestagsdebatte mit dem SPD-Abgeordneten Karamba Diaby (links), dessen Bürgerbüro angegriffen wurde. Diabys Fraktionskollegen Yasmin Fahimi hört zu.
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BerlinNach dem Angriff auf das Bürgerbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Politiker Unterstützung zugesagt. Am Mittwoch waren an einer Scheibe des Bürgerbüros Diabys im sachsen-anhaltischen Halle mehrere Einschusslöcher festgestellt worden. Merkel redete während der Debatte über die Organspende im Bundestag am Donnerstag kurz mit Diaby. Dabei habe sie ihm ihre Unterstützung signalisiert, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Der Angriff auf das Büro des im Senegal geborenen, schwarzen Diaby hatte Bestürzung ausgelöst. Die Polizei hat noch keine Hinweise auf den oder die Täter. „Die Auswertung der Spuren dauert an“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Halle. Polizei und Staatsschutz ermitteln.

Diaby erklärte per Kurznachrichtendienst Twitter, er sei zutiefst dankbar für die Solidarität, die er von Tausenden Menschen erhalten habe. „Ihr gebt mir Kraft und Mut.“ Der 58-Jährige will sich von dem Angriff nicht einschüchtern lassen. „Ich nehme den Vorfall sehr ernst. Aber ich habe keine Angst. Wenn ich mich der Bedrohung beuge, dann haben die Täter gewonnen“, sagte Diaby der Mitteldeutschen Zeitung. Bislang sei er vor allem in sozialen Netzwerken beschimpft und bedroht worden, auch aufgrund seiner Hautfarbe. „Physisch wurde ich zum Glück noch nicht angegriffen.“

Beschimpfungen und Hetze gab es auch diesmal im Netz. In einem Video behauptet Sven Liebich in seinem Kanal Halle Leaks, die Antifa oder gar die SPD selbst hätten den Angriff inszeniert, um wieder in die Schlagzeilen zu kommen. Laut Tagesspiegel bezeichnet der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt Liebich als Provokateur und Verschwörungstheoretiker. In den Kommentaren zu dem Video gibt es Zustimmung und offene rassistische Hetze. "Danke Sven; du sprichst genau dass aus, was ich (und sicher viele Andere) vermuten!" Oder: "Wenn einer schon Karamba heißt... Der soll zurück in seinen Busch gehen." Die Unterstützung überwiegt allerdings, nicht nur unter den Kollegen im Bundestag. "Bleib stark, Karamba!" schreibt etwa das Bündnis Neukölln auf Twitter unter  #TeamDiaby. 

Laut Polizei wurden mehrere Einschusslöcher an einem Schaufenster des Bürgerbüros entdeckt. Projektile wurden nicht gefunden. Die Einschusslöcher waren am Mittwochvormittag von Mitarbeitern des Büros entdeckt worden, den Angaben nach waren es fünf.