Angela Merkel, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan und Emmanuel Macron (v. l.) auf einem Vierertreffen zu Syrien im Oktober 2018 in Istanbul. 
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Berlin - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über die Krise im Norden Syriens gesprochen. Um eine „humanitäre Krise“ zu vermeiden, bedürfe es konkreter Taten und starker Unterstützung, sagte Erdogan der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge.

In den vergangenen Tagen hatte die Türkei mehrfach Meldungen lanciert, wonach es eine neue Flüchtlingsbewegung aus Syrien in Richtung der Türkei gäbe. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet in ihrem englischsprachigen Dienst allerdings, dass das russische Verteidigungsministerium solche Meldungen dementiert. Laut Reuters habe Russland „Drohnen und andere Ressourcen eingesetzt, um die Situation in Idlib zu überwachen“.

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Der Leiter des russischen Versöhnungszentrums für Syrien, Oleg Zhuravlev, sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass, Berichte über den mutmaßlichen Zustrom von Hunderttausenden Zivilisten, die wegen Kämpfen zwischen Terroristen und Regierungstruppen im östlichen Teil der Provinz zur syrisch-türkischen Grenze geflohen sind, seien „falsch“.

Deutschland und Frankreich wollen Eskalation in Syrien verhindern 

Es gäbe „keine überprüfbaren Foto- oder Videomaterialien oder andere Beweise, die die Behauptung der Bewegung von angeblich fast einer Million Zivilisten zur syrisch-türkischen Grenze aus der Deeskalationszone von Idlib belegen“. Bereits am Donnerstagabend hatten Merkel und Macron mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Lage in Idlib gesprochen. Sie hatten ein sofortiges Ende der Kämpfe und ungehinderten humanitären Zugang zu den Bedürftigen gefordert.

Beide Politiker hätten sich dazu bereit erklärt, Putin und Erdogan zu treffen, um eine politische Lösung zu erreichen, wie der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, laut dpa mitteilte. Kreml-Sprecher Dimitri Peskow sagte laut Tass, dass ein solches Treffen zwar denkbar sei, jedoch noch kein Termin festgelegt worden sei. Die türkische Zeitung Daily Sabah berichtet, dass Präsident Erdogan den 5. März einen Vierer-Gipfel in Istanbul vorgeschlagen haben soll.

Die Vermittlungsbemühungen Frankreichs und Deutschlands sollen dazu dienen, eine Eskalation in Syrien zu verhindern. Die türkische Armee ist vor Monaten ohne UN-Mandat in Syrien einmarschiert. Sie unterstützt Kampf-Verbände der Al-Kaida-Gruppen, die in Idlib ihre letzte Bastion halten. Die syrische Regierung hatte Russland bereits vor Jahren um militärische Hilfe im Kampf gegen islamistische und ausländische Milizionäre gebeten.

Die russischen Militärbehörden geben laut Tass an, die Türkei habe am Freitag einen Konvoi mit militärischer Ausrüstung und Lastwagen mit Munition nach Syrien geschickt. Die Türkei habe „kilometerlange Konvois von militärischer Ausrüstung und Lastwagen mit Munition und Gerätschaft des türkischen Militärs von der Grenze der Türkei in die Deeskalationszone“ geschickt. Von türkischer Seite lag zunächst keine Bestätigung dieser Meldung vor.

Donald Trump findet bedauerlich, dass Türkei keine Waffen aus den USA kauft 

Die Türkei hat Syrien ein Ultimatum gestellt und droht für Ende Februar mit einem Militärschlag in Syrien. Die türkische Regierung scheint den Krieg allerdings aktuell eher dazu nutzen zu wollen, um US-Raketen von Typ Patriot zu kaufen. Es bestehe „die Gefahr von Luftangriffen und Raketen gegen unser Land. Patriot-Raketen könnten unsere Verteidigung stärken“, sagte Verteidigungsminister Hulusi Akar laut Daily Sabah.

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Die Türkei hatte vor einiger Zeit russische S-400-Raketen gekauft – sehr zum Ärger der Amerikaner, die die Türkei daraufhin aus wichtigen Hightech-Rüstungsprogrammen ausschlossen. US-Präsident Donald Trump hatte es mehrfach als bedauerlich bezeichnet, dass die Türkei keine Patriot-Raketen des US-Rüstungskonzerns Raytheon erworben habe.

Ein Raytheon-Manager sagte Reuters kürzlich in einem Interview, dass das Unternehmen im Jahr 2020 ein Umsatzwachstum von bis zu acht Prozent erwarte.