Nicht ihre Stärke, aber in der aktuellen Situation unerlässlich: Ihre Ansprache an die Bevölkerung zur Corona-Epidemie. 
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BerlinDie Kanzlerin hat gesprochen, wird nun alles gut beim Kampf gegen den Virus? Nein, so einfach ist es natürlich nicht. Es ist kaum damit zu rechnen, dass die bisher Uneinsichtigen ihr Verhalten ändern, weil die Regierungschefin es wünscht. Und dennoch war ihre Fernsehansprache richtig und wichtig.

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Noch nie hat es in der Geschichte der Bundesrepublik so tiefe Eingriffe des Staates in das Leben seiner Bürger gegeben und die Preisgabe so grundlegender demokratischer Prinzipien wie der Freizügigkeit. Es ist in der Tat erforderlich, dass die Kanzlerin dazu Stellung nimmt und sich bemüht, die Notwendigkeit solcher Schritte zu begründen. „Das gehört zu einer offenen Demokratie: dass wir die politischen Entscheidungen auch transparent machen und erläutern“, sagte Angela Merkel.

Merkel musste Freiheitseinschränkungen begründen

Freilich gehört zur Demokratie auch die Debatte über solche Maßnahmen. Sie fehlt in dieser Situation und wird durch das Vertrauen in die richtige Wegweisung der Wissenschaftler ersetzt. Merkel sagte, dass die Einschränkungen der Freiheit der Bürger nur mit einer „absoluten Notwendigkeit“ zu begründen sei. Das kann in anderen politischen Verhältnissen ein gefährliches Argument sein. Zur Sache wusste sie nicht mehr zu erklären, als bisher schon klar war: Dass alle, wirklich alle, dazu beitragen können und müssen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Immer wieder ist Angela Merkel in den Krisen ihrer Amtszeit aufgefordert worden, sie möge sich mit einer Rede direkt an die Bevölkerung wenden. Stets hat sie darauf verzichtet. Weil sie die Lage nicht zusätzlich dramatisieren wollte und vielleicht auch, weil sie keine große Rednerin ist. Umso bedeutsamer ist es, dass sie sich nun doch dazu entschlossen hat. Sie zeigt, für wie außerordentlich ernst sie die Lage hält – und dass sie die Chefin ist.