Würzburg - Ein Mann greift mit einem Messer offensichtlich unvermittelt Passanten an. Drei Frauen sterben, fünf andere Menschen werden schwer und zwei leicht verletzt. Das war die schreckliche Szene am Freitagnachmittag in der Würzburger Innenstadt. Der Rest ist im Moment noch Spurensuche und Interpretation.

„Es wird alles immer schlimmer“, sagt die alte Mutter am Telefon mit Bezug auf diese Tat. Ob das stimmt, sei dahin gestellt. Wichtiger ist, sie drückt damit ein Gefühl angesichts einer brutalen Mordtat aus. Sie fühlt sich überfordert und bedroht. Wie wir alle.

Es ist deshalb verständlich, wenn jetzt schnelle Antworten verlangt werden. Es ist allerdings nicht hilfreich, sie auch zu geben. Es hilft überhaupt nicht weiter, wenn der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gleich nach der Tat von islamistischen Motiven spricht, jetzt aber sagt, man könne noch nicht beurteilen, ob es sich um Terror handelt. Mit vorschnellen Aussagen werden Vermutungen zu Gewissheiten, was wiederum Folgen hat.

Der Täter ist ein 24-Jähriger aus Somalia

Was wir wissen? Der Täter ist ein 24 Jahre alter Mann aus dem Bürgerkriegsland Somalia. Er ist im Mai 2015 nach Deutschland gekommen und hat ein Bleiberecht im Rahmen eines Asylverfahrens. Es gibt Zeugen, die sagen, der Täter habe im Kaufhaus Allahu Akhbar ausgerufen, als er die ersten Stiche auf Personen verübt hat. Es gibt weitere Aussagen vom Abend, nach denen der Täter von seinem persönlichen Beitrag zum Dschihad gesprochen haben soll. Es ist in seiner Unterkunft Material gefunden worden, das jetzt untersucht wird. Darunter ein Handy, ein zweites lag am Tatort.

Was wir nicht wissen? Ob diese Untersuchungen zu der Schlussfolgerung führen werden, dass dies ein islamistischer Täter ist.

Im Raum steht daneben eine psychische Erkrankung des Mannes. Er war der Polizei bereits vor der Attacke bekannt, weil er bei einem Streit in einer Obdachlosenunterkunft mit einem Küchenmesser herumgefuchtelt hatte. Nach psychischer Auffälligkeit war er kürzlich in psychiatrische Behandlung zwangsweise eingewiesen worden. Das Wort Schizophrenie macht die Runde.

Mit Blick auf den Angriff hat der Bund der deutschen Kriminalbeamten bereits einen Ausbau der psychiatrischen Behandlungskapazitäten gefordert. Knapp ein Drittel der allein handelnden Attentäter in der jüngeren Vergangenheit sei psychisch krank gewesen, hatte der Bundeschef der Polizeigewerkschaft bereits medienöffentlich gesagt. Der Fachkräftemangel in den Psychiatrien müsse von der Bundesregierung dringend gelöst werden.

Ob der Täter tatsächlich psychisch krank ist, müsste aber erstmal untersucht werden.

Neben einem 16-Jährigen, der schwer verletzt wurde, sind die Opfer des Mannes ausschließlich Frauen. Die drei Todesopfer sind Frauen im Alter von 24 Jahren, 49 Jahren und 82 Jahren. Bei den schwer Verletzten handelt es sich um drei Frauen im Alter von 39, 52 und 73 Jahren sowie ein 11-jähriges Mädchen, das die Tochter einer der getöteten Frauen ist.

Vielleicht wurde der Mann von einem irrationalen Frauenhass angetrieben.

Als Held von Würzburg wird jetzt ein Mann aus dem Iran bezeichnet. Er war einer jener Passanten, die versuchten, den Täter mit Rucksäcken, Stühlen, Besen und bloßen Händen in Schach zu halten. Wahrscheinlich verhinderten diese mutigen Würzburger, dass es weitere Opfer gab. Der Iraner ist Flüchtling und lebt in einer Asylbewerberunterkunft.

Ob das etwas heißt? Vielleicht einfach nur, dass es mutige Menschen überall gibt, genau wie bösartige. Leider ist es aber so, dass jeder all diese Fakten so deuten kann, wie sie ihm in den Kram passen.

In einem Kommentar in der FAZ heißt es, dass es ein unterschwelliges Bedürfnis nach Beruhigung gebe, die darin bestehe, den Täter für unzurechnungsfähig erklären zu können. Dass Migration für neue Vielfalt sorge, bezeichnet der Autor als Illusion und verlangt ein gesellschaftliches Bündnis, das verrückte Ausländer in ihre Schranken weise.

Vielleicht ein berechtigter Hinweis. Allerdings wissen wir ja noch gar nicht, wie es zu dieser Tat gekommen ist. Aufgeklärt ist diese Tat noch lange nicht. Man sollte also vorsichtig sein mit Schlussfolgerungen und Bewertungen.

Offener Brief des Würzburger Bürgermeisters

Der Würzburger Bürgermeister Christian Schuchardt (CDU) geht noch weiter. Er ruft in einem offenen Brief dazu auf, einen naheliegenden Kurzschluss zu vermeiden. Das Verbrechen Einzelner sei niemals auf Bevölkerungsgruppen, Religionen oder Staatsangehörigkeiten zurückzuführen. Das Schubladendenken müsse ein Ende haben. Das ist seine moralische Forderung und sein Wunsch an die Gesellschaft.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Nur selbstverständlich ist das leider nicht.